Arbeiten von zu Hause – selbst ist der Chef

Arbeiten von zu Hause ist heute leider noch immer eher die Ausnahme.

Dabei war dies noch vor 150 bis 200 Jahren üblich.

Jeden Tag in die Fabrik, das Büro oder die Werkstatt zu gehen beziehungsweise zu fahren, ist normal.

Es ist jedoch ein Modell der Arbeit, das erst mit der industriellen Revolution breitflächig eingeführt wurde. Ein Phänomen, das direkt mit der Massenfertigung und in Folge dessen mit der Globalisierung zusammenhängt.

Zuvor gab es viel mehr Manufakturen, Dienstleister und Handwerksbetriebe, die ihr Produkt oder ihren Service nur regional, oft sogar nur in ihrem Dorf oder ihrem Stadtviertel anboten. 

In einem Großteil der Häuser wurde gleichzeitig gewohnt und gearbeitet. Meist befanden sich die Werkstatt oder der Betrieb im Erdgeschoss und darüber die Wohnräume.

Davon zeugen noch heute vor allem die Nachnamen der Menschen.

Müller, Meier, Schmidt, Bauer, Dreher oder Seiler sind nur wenige Beispiele für gebräuchliche Namen und eine Vielzahl von Berufen, die direkt mit dem Arbeiten von zu Hause zusammenhängen.

Inzwischen erfahren Manufakturen und Handwerksbetriebe wieder eine Renaissance.

Dazu kommen neue Tätigkeiten, die von zu Hause ausgeführt werden können.

Welche dies unter anderem sind und was für Vor- und Nachteile das Arbeiten von zu Hause besitzt, erfährst Du im folgenden Artikel.

Arbeiten von zuhause

Arbeiten von zuhause

Leben und arbeiten in Deutschland

Als festangestellter Mitarbeiter eines Unternehmens von zu Hause aus arbeiten?

Eher nicht, denn dies wird von den Firmen kaum akzeptiert, zumindest nicht in Deutschland. Und das trotz zunehmender Digitalisierung.

Für die meisten Führungskräfte stellt die Präsenzpflicht ihrer Mitarbeiter im Büro oder in den Werkhallen einen wichtigen Bestandteil der Arbeitskultur dar. 

Obwohl in vielen Bereichen die technische Umsetzung, etwa in Form eines Home-Office, kein Problem wäre.

Böse Zungen behaupten, dass diese unbedingte Anwesenheitspflicht auch etwas mit fehlendem Vertrauen zu tun hat. Darum stellen sich die meisten Arbeiten von zu Hause als freie Tätigkeiten dar. Es sind entweder Nebentätigkeiten oder es besteht der Status der Selbstständigkeit.

Bei Nebentätigkeiten, die üblicherweise den kleineren Teil des monatlichen Einkommens einbringen, bestehen gesetzliche Rahmenbedingungen sowie Vorgaben des Haupt-Arbeitgebers.

Selbstständige wiederum zeichnen für sich selbst verantwortlich. Einkommenssteuer, Krankenversicherung und Sozialabgaben müssen eigenständig abgeführt werden.

Je nach Art der Tätigkeit kommen noch Pflichtmitgliedschaften in Verbänden und Kammern hinzu.

Dafür kann ein höheres Einkommen erwirtschaftet werden und die Arbeit ist selbstbestimmt, frei von Regeln und Vorschriften eines Vorgesetzten.

Etwa 1,38 Millionen Menschen sind in Deutschland (Stand 2017) als Selbstständige in freien Berufen tätig.

Im Weiteren bestehen über 2 Millionen sogenannte Kleinstunternehmen mit max. 9 Beschäftigten. 

Im Durchschnitt sind es 2 bis 3 Angestellte, oft der Ehepartner oder Lebensgefährte.

Der Unterschied zwischen den freien Berufen und Kleinstunternehmen liegt darin, das sich Freiberufler nicht gewerblich anmelden müssen.

Unseriöse Nebenjobs von zu Hause

Gerade heute sind Nebentätigkeiten, die zu Hause durchgeführt werden können, sehr beliebt und nachgefragt.

Im Internet finden sich hierzu zahlreiche Anbieter, wobei seriöse und unseriöse Angebote oft nur schwer voneinander zu unterscheiden sind.

Ein wichtiges Merkmal für unseriöse Angebote sind Gebühren oder Geldbeträge für Montagesets oder Ähnliches, die der oder die Jobsuchende im Voraus erbringen soll. So wird beispielsweise noch immer damit geworben: „in Heimarbeit Kugelschreiber zusammenbauen“. Das ist einfach nur Betrug und Abzocke.

Die industrielle Automatisierung hat längst eine Perfektion erreicht, die solche Tätigkeiten für den Menschen überflüssig machen. Allgemein werden Firmen Montagetätigkeiten für zu Hause nicht als Nebenjobs ausschreiben.

Wenn überhaupt, vergeben Unternehmen solche Arbeiten im regionalen Umfeld ihres Sitzes an Menschen, die über bestimmte Fähigkeiten verfügen.

Dazu gehört aber ganz sicher nicht das Zusammenschrauben von Kugelschreibern, das befüllen von Wundertüten oder das Sortieren von Briefmarken.

Grundsätzlich gilt, wenn Du für einen Nebenjob zuerst etwas bezahlen sollst, Finger weg, auch wenn es sich in Deinen Ohren noch so plausibel anhört.

Ebenso mit Vorsicht zu genießen sind Jobangebote für die Arbeit zu Hause, in denen viel versprochen wird, ohne Konkret etwas zur Tätigkeit oder zu der notwendigen Qualifikation zu sagen.

Meist läuft es darauf hinaus, dass irgendeine „Erfolgsanleitung“ verkauft wird, mit deren Hilfe angeblich sagenhafte Verdienstmöglichkeiten realisiert werden können.

Gibt es denn seriöse Nebenjobs für zu Hause?

Ja, die gibt es. Allerdings muss sich von der Vorstellung befreit werden, dass einfache Montagearbeiten vergeben werden.

Das gab es früher tatsächlich, heute nicht mehr. Auch wird niemand mit diesen Nebenjobs reich.

Zumindest dann nicht, wenn die Tätigkeit im Auftrag eines Unternehmens durchgeführt wird. 

Die meisten Nebenjobs bauen sich rund um das Internet auf, das als interaktives Medium vor allem eines benötigt: Daten.

Aus diesem Grund finden sich beispielsweise die folgenden Jobs:

1. Bezahlte Umfragen

Marktforschungsinstitute suchen immer nach Antworten auf Fragen zu Produkten und Dienstleistungen.

Du kannst dich bei verschiedenen Instituten registrieren lassen und bekommst Deinem Profil entsprechende Umfragen per Mail zugesandt.

Der Erlös für die Beantwortung der Fragen liegt zwischen 0,50 und 15 Euro.

Ein wichtiger Tipp ist hierbei, dass in deinem Profil eine möglichst breite Kenntnis zu unterschiedlichen Themen angelegt ist. Mit Umfragen Geld zu verdienen ist ein guter Start bei arbeiten von zu Hause.

Umso mehr Umfragen werden Dir zugesandt.

2. Datenerfassung

Trotz ausgeklügelter OCR-Software, blitzschneller Trommelscanner und Big-Data besteht nach wie vor ein großes Problem.

Viele Daten können nicht maschinell, sprich vom Computer, erkannt werden und müssen zuerst entsprechend von Hand erfasst werden, beispielsweise in einer Excel-Liste.

Selbst von Computern ausgedruckte Listen lassen sich mitunter nicht einfach umformatieren, sondern müssen zuerst wieder per Hand eingetippt werden.

Davon abgesehen schlummern in den Archiven vieler Unternehmen noch unzählige Unterlagen, die es zu digitalisieren gilt. 

Als Datenerfasser oder Datenerfasserin im Nebenjob besteht die Aufgabe darin, entsprechen zugesandte Listen in den Rechner im passenden Format einzugeben.

Dazu sollte jedoch das Zehn-Finger-System auf der Tastatur gut beherrscht werden, da sich die Bezahlung nach den erfassten Datensätzen richtet.

3. Paidmailer

Einfach bestimmte E-Mails anklicken und Geld damit verdienen.

Dabei handelt es sich um Werbemails verschiedener Firmen, die auf diese Weise meist neue Produkte einem größeren Umfeld bekannt machen.

Der Hintergrund dafür besteht in dem Verbot, unaufgefordert Werbemails an Privatpersonen zu versenden.

Also werden Menschen dafür bezahlt, dass sie diese Werbemails ansehen.

Das ist keineswegs so unlogisch, wie es sich vielleicht anhört. Paid-Mailer versenden die Werbemails in großem Umfang an bestimmte Zielgruppen mit entsprechend geeigneten Interessen und machen so ihr Produkt bekannt. 

Der Verdienst beläuft sich auf 0,5 bis 5 Cent pro Mail, allerdings erfolgt die Vergütung überwiegend im niedrigeren Bereich dieser Verdienstspanne.

Nebenverdienste zu Hause mit höheren Qualifikationen:

4. Programmierer

Auf Smartphones, Tablets oder Notebooks kommen immer mehr kleine und auch größere Programme in Form von Apps, Plug-ins oder Add-ons zum Einsatz.

Die Arbeit, diese zu schreiben, vergeben Firmen mitunter an Heimarbeiter.

Diese wiederum müssen natürlich eine entsprechende Kenntnis der Materie besitzen.

Bevorzugt werden hierbei etwa Informatik-Studenten, die sich so einen guten Zusatz zum Bafög verdienen können.

5. Produkttester

Inzwischen ist der Nebenjob als Produkttester zu einer wahren Rarität geworden.

Aber es gibt noch vereinzelt Unternehmen, die ihre Geräte oder Produkte im Vorfeld testen lassen.

In den meisten Fällen werden diese Jobs Firmenintern vergeben.

Unter dieses Segment fallen ebenso Spieletester, die neue PC- und Konsolenspiele auf ihre Alltagstauglichkeit hin überprüfen.

Nebenjobs, die sich zum Hauptberuf ausbauen lassen

6. Blogger

Der oder die Bloggerin betreibt eine Webseite beziehungsweise einen oder mehrere Blogs und berichtet darin über bestimmte Themen. 

​Bloggen muss auch garnicht viel kosten, denn es warten eine Vielzahl kostenfreier Blooger-Plattformen wie weebly, blogher​ und wordpress darauf genutzt zu werden.

Natürlich sind die Funktionalitäten in der kostenfreien Version eingeschränkt. ​Für den Einstieg sind diese jedoch perfekt.

Dazu werden an bestimmten Stellen sogenannte Affiliate-Links eingebaut. Klickt der Leser nun auf einen der Links, erhält der Blogger dafür eine Vergütung.

So groß wie der Markt ist, so groß ist die Konkurrenz. 

Trotzdem lässt sich mit der richtigen Nische und viel Geduld nicht nur ein Nebenjob aufbauen.

Zudem erweitern sich mit einer steigenden Zahl an Lesern die Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

7. Der Verkauf eigener Produkte

Es ist die wohl ursprünglichste Form der Produktion, heute jedoch mit dem Internet als weltweitem Vertriebskanal.

Etwas zu Hause herzustellen und dies dann online zu verkaufen.

Auf diese Weise entstanden schon einige Unternehmen, die später mehrere Angestellte beschäftigten. 

Die wohl wichtigsten Punkte hierbei sind Qualität und eine Marktlücke.

Auf Plattformen wie Seedyaa, Ebay, Amazon oder DaWanda finden sich die entsprechenden Käufer.

8. Videos erstellen

Ähnlich wie das Bloggen funktioniert das Erstellen von Videos mit verschiedenen Inhalten. Im Anschluss werden die Filme auf YouTube gepostet.

Die Vergütung erfolgt hier durch Google-Adsense und anderen Werbeformen, abhängig von der Anzahl der Zuseher (Klicks) und Abonnenten.

Die Top-Ten der YouTuber verdienen jährlich Millionenbeträge.

Das sind natürlich die Ausnahmen. Aber es finden sich inzwischen nicht wenige Video-Filmer, die ihren Lebensunterhalt nur damit bestreiten und online Geld verdienen.

Eine ähnliche Form dieses Verdienstweges bietet sich auf der Plattform Instagram, hier sowohl mit Bildern wie auch mit Videos.

9. Texter, Lektoren und Übersetzer

Webseiten benötigen Content.

Bilder allein genügen hierzu nicht und gerade die großen Suchmaschinen arbeiten mit speziellen Algorithmen, die anhand der Texte auf einer Webseite deren Einstufung in den Ranglisten vornimmt.

Menschen mit dem Talent zum richtigen Formulieren können so im Auftrag entsprechende Inhalte schreiben. 

Die Bezahlung erfolgt pro Wort und liegt im Durchschnitt bei 1 bis etwa 3 Cent. Abhängig ist dies vom Rechercheumfang und dem gewünschten Textstil.

Lektoren und Übersetzer wiederum werden oft Projektbezogen engagiert und erhalten eine Pauschale.

Auch hier kann aus einem Nebenverdienst ein Hauptberuf werden, der es erlaubt, die notwendigen Arbeiten von zu Hause aus durchzuführen.

Zu Hause im Glück?

Sich mit Arbeiten zu Hause selbstständig zu machen, bedeutet sicher mehr persönliche Freiheit.

Vielleicht auch mehr Zufriedenheit, weniger Arbeit jedoch meist nicht. Als Arbeitnehmer setzt sich Frau oder Mann gewissermaßen in das gemachte Nest. 

Als Selbständiger, Freiberufler oder Unternehmer in den eigenen vier Wänden müssen viele Dinge beachtet werden, die für Arbeitnehmer kaum Relevanz besitzen. Im Gegenzug zeigt sich für den Selbstständigen der Erfolg durch die eigene Leistung unmittelbar und beschränkt sich keineswegs nur auf das herablassende Lob des Vorgesetzten.

Das Projekt: „Arbeiten von zu Hause“ sollte gut geplant sein und die gewählte Tätigkeit mit den eigenen Interessen und Fähigkeiten übereinstimmen.

Unter Umständen bieten sich zudem Fördermöglichkeiten durch den Staat an, etwa bei der Aufnahme einer Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Den Job zuerst als Nebenverdienst zu beginnen, besitzt den Vorteil, sich in die Materie einzuarbeiten und sich langsam zu steigern.

Gerade das Internet erlaubt hier die Umsetzung der Pläne, ohne selbst große Investitionen tätigen zu müssen.

Wie eingangs beschrieben, gab es in der vorindustriellen Zeit viel mehr Menschen, die ihre Arbeit zu Hause durchführten.

Wir alle leben inzwischen im nachindustriellen, im digitalen Zeitalter, das unter anderen, modernen Vorzeichen vielleicht die vorindustrielle Ära wieder bringt.

Schließlich wiederholt sich doch alles, oder?

Fazit zu Arbeiten von zu Hause

Ob es sich lohnt, einen Nebenverdienst oder gar eine Selbstständigkeit aufzunehmen, sollte nicht nur aus dem Blickwinkel des Geldes betrachtet werden.

Die persönliche Freiheit ist ein mindestens ebenso wichtiges Gut. Zumal sich die Unpersönlichkeit heute mehr denn je sowohl im Beruf wie in der Freizeit findet.

Denn Automatisierung beschränkt sich ja nicht auf Produktionsmaschinen.

Wer hatte beispielsweise noch nicht das eher zweifelhafte Vergnügen, sich mit einem automatischen Anruf-Weiterleitungssystem auseinandersetzen zu müssen, um letztlich in einer endlosen Warteschleife zu landen? Wie angenehm ist da doch ein Gesprächspartner aus Fleisch und Blut.

​Davon abgesehen kann der selbst gewählte Nebenjob oder auch Hauptberuf, der von zu Hause aus erfolgt, durchaus eine gute Investition in die Zukunft darstellen.

Dies sowohl in Bezug auf den Verdienst wie auch die gesamten beruflichen Aussichten.

In den kommenden Jahren wird die Industrie aufgrund der Automatisierung noch weit mehr Stellen abbauen als bisher. Umso wichtiger wird es, bereits jetzt die Weichen für eine finanzielle Unabhängigkeit richtig zu stellen.

Da ist es sicher nicht das schlechteste, bereits in einem Segment eingearbeitet zu sein, das nicht einfach wegrationalisiert werden kann.

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