Bausparen – Der Traum vom Eigenheim

Woher kommt die Idee vom Bausparen? Die Idee des Bausparens in seiner Grundform besitzt ohne Frage einen besonderen Reiz. Anfänglich schließt sich eine Gruppe zu einem Sparverein zusammen. Wenn Beispielsweise zehn Personen auf das Ziel hinsparen, ein Haus zu bauen und jeder legt jährlich ein Zehntel der Bausumme als Spareinlage in die Kasse des Vereins, kann der erste der zehn schon nach einem Jahr sein Haus bauen. 

Ein Zehntel selbst angespart und neun Zehntel als Darlehen von den anderen Mitgliedern. Tatsächlich wurde früher per Los entschieden, wer zuerst bauen darf. Nach den zehn Jahren und wenn alle ihr Haus hatten, löst sich der Sparverein wieder auf.

Bausparen - Der Traum vom Eigenheim

Bausparen - Der Traum vom Eigenheim

Natürlich ist das nur eine theoretische Betrachtungsweise, denn wenn in früheren Zeiten das Bauen auch preiswerter war als heute, so waren zehn Jahre schon damals zu wenig Zeit, um die Kosten für ein Haus anzusparen. Zum anderen erfordert ein derartiger Sparverein ein sehr großes Vertrauen untereinander.

Immerhin gab es den ersten nachweisbaren Sparverein dieser Art bereits vor rund 2300 Jahren, jedoch nicht in Europa, sondern im alten China. In der westlichen Welt dauerte es noch geraume Zeit, bis dann im Jahr 1775 in der englischen Stadt Birmingham wieder ein Bausparverein gegründet wurde.

Ihm folgten weitere Vereine in ganz Europa, aber auch Süd- und Nordamerika. In Deutschland gründete Friedrich von Bodelschwingh, ein Pastor, im Jahr 1885 die erste echte „Bausparkasse für Jedermann“.

Heute sind Bausparkassen in Deutschland eine Sonderform der Kreditinstitute, für die ein eigenes Gesetz besteht, das 21 Paragraphen umfasst. So dürfen nur Bausparkassen das sogenannte Bauspargeschäft betreiben. 

Gesetz über Bausparkassen

Gesetz über Bausparkassen

Private Bausparkassen müssen Aktiengesellschaften sein und die von ihnen verwalteten Spareinlagen dürfen nur dem Zweck dienen, Bauvorhaben oder die Alterssicherung zu finanzieren. Allerdings gab es vor dem Bauspargesetz bereits Kreditinstitute, die das Bausparkassengeschäft betrieben haben.

Diese wurden mit dem Inkrafttreten des Gesetzes verpflichtet, das Bausparkassenvermögen gesondert zum übrigen Bankvermögen zu verwalten sowie einen eigenen Geschäftsbericht und Jahresabschluss vorzulegen.

Das Bausparen ist zweckgebunden. Das bedeutet, dass nach der Ansparzeit ein Darlehen nur gewährt wird, wenn eine entsprechende Sicherung etwa in Form einer Grundschuldeintragung geleistet wird.

Lohnt sich Bausparen?

In Deutschland gab es im Jahr 2016 insgesamt 20 Bausparkassen. Die Kassen befinden sich in einem kontinuierlichen Abwärtstrend, der sich seit 1999 fortsetzt, damals waren es noch 33 Bausparkassen. Auch die Anzahl der abgeschlossenen Bausparverträge ist seit 2003 relativ stark rückläufig.

Von damals rund 33 Millionen Verträgen sank ihre Zahl in 2016 auf etwa 27,5 Millionen. Verstärkt machte sich dieser Rückgang mit Beginn der Nullzinspolitik der EZB bemerkbar, denn mit sinkenden Festzinsen verliert eine langfristige Geldanlage natürlich ihren Reiz. Auch wenn der Niedrigzins zeitgleich gewährleistet, das auch auf das folgende Bauspardarlehen ein niedriger Zins angewendet wird, bestehen heute Zweifel, denn während früher die Zielsetzung Hausbau einen festen Platz in der Lebensplanung hatte, sieht dies aktuell völlig anders aus.

Bausparen - Der Traum vom Haus

Bausparen - Der Traum vom Haus

Allein in den Monaten Januar bis April des Jahrs 2017 sank die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen um 9 %. Das liegt vor allem an den gerade in den letzten Jahren enorm gestiegenen Immobilienpreisen.

Denen stehen niedrige Bausparzinsen gegenüber, die es sehr schwierig machen, die heute von den Banken geforderten 20 % Eigenkapital überhaupt erst anzusparen.

Dazu kommen sehr hohe Baunebenkosten, die heute bis zu 15 % des Kaufpreises ausmachen und nicht in den Immobilienwert eingerechnet werden können.

Wer etwa ein Haus für 250.000 Euro erwirbt, zahlt noch einmal 37.500 Euro für Nebenkosten.

Trotzdem besitzt der Bausparvertrag seine Vorteile und zwar genau dann, wenn tatsächlich in der Zukunft gebaut werden will oder geplant ist, eine Immobilie zu erwerben. Mit einem Bausparvertrag profitiert der Sparer von zwar mäßigen, aber doch vorhandenen Zuschüssen des Staates, wobei es sehr wichtig ist, die einzelnen Angebote der Bausparkassen genau zu vergleichen.

Vor allem die Festzinsgarantie für das spätere Darlehen ist hierbei von größter Bedeutung. Eines dürfte klar sein, die Nullzinspolitik der EZB ist irgendwann zu Ende und zwar nicht erst in zehn oder fünfzehn Jahren, sondern voraussichtlich in den kommenden zwei Jahren.

Ein steigender Leitzins bedeutet aber auch steigende Hypothekenzinsen wie ebenso steigende Darlehenszinsen. Dann profitiert der Bausparer vom zuvor vereinbarten niedrigen Festzins für das Baudarlehen.

Was gibt der Staat dem Bausparer dazu?

Ein Bausparer kann theoretisch aus gleich vier Fördertöpfen schöpfen. Zum einen über die Arbeitnehmersparzulage. Dieser Topf ist jedoch nur Arbeitnehmern mit einem relativ geringen Einkommen offen. Singles dürfen nicht mehr als 20.000 Euro, Ehepaare nicht mehr als 40.000 Euro pro Jahr verdienen.

Bei einer jährlichen Sparsumme von 400 Euro (Singles) legt der Staat noch einmal bis zu 123 Euro dazu und auch der Arbeitgeber ist mit bis zu 480 Euro pro Jahr dabei, das sind die vermögenswirksamen Leistungen, die auch einen der vier Fördertöpfe darstellen. So werden aus 400 Euro eigenem Geld in einem Jahr rund 1000 Euro, allerdings nur, wenn mindestens sechs Jahre lang eingezahlt wird.

Der zweite Topf ist die Wohnungsbauprämie. Auch hier gilt eine Verdienstobergrenze, die bei Singles auf 25.600 Euro und bei Ehepaaren auf 51.200 Euro zu versteuerndem Einkommen pro Jahr begrenzt ist. Die Wohnungsbauprämie ist quasi eine Belohnung fürs sparen.

Maximal gibt es 8,8 % auf eine jährliche Sparleistung von 512 beziehungsweise 1024 Euro pro Jahr.

Im besten Fall beträgt die Wohnungsbauprämie also 45,06 oder 90,11 Euro im Jahr. 

Wiederum gilt eine Ansparzeit von sechs beziehungsweise sieben Jahren, damit die Wohnungsbauprämie ausbezahlt wird.

Zuletzt noch die Riester-Rente, die in diesem Fall als Wohn-Riester bekannt ist. Es ist von allen staatlichen Zuschüssen die komplizierteste Form. Zunächst einmal muss das für die Zukunft geplante Haus oder die Immobilie, die mit einem Riester-Darlehen abbezahlt werden soll, auch selbst bewohnt sein und zwar als Hauptwohnsitz.

Da geht schon einmal viel Flexibilität im Alter verloren. Wer weiß denn, ob den Hausbesitzer nicht die Lust überkommt, den Rest des Lebens im warmen Süden zu verbringen.

Dann muss die Riesterförderung zurückbezahlt werden, denn neben dem Verkauf ist noch nicht einmal die Vermietung bei einer Riesterförderung erlaubt.

Das ist aber nur ein Punkt unter einer Vielzahl von Regeln und Vorschriften zu den Riester-Verträgen, die so komplex aufgebaut sind, das es fast unmöglich ist, eine klare Aussage über die zukünftige Entwicklung zu machen. Die Stolperfallen sind zahlreich.

Zumindest steht fest, dass Besserverdiener und kinderreiche Familien durch gestaffelte Kinderzulagen und Steuerfreibeträge weit mehr vom Wohn-Riestern profitieren als niedrige Einkommensschichten.

Bausparen kann unter bestimmten Umständen lohnenswert sein, dazu muss die persönliche Situation sowie die eigenen Zukunftspläne überdacht werden und die angebotenen Bausparprodukte genau verglichen werden.

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