CFD Handel für Einsteiger – Spekulation mit Hebelwirkung

Der CFD Handel hat seinen Ursprung in Großbritannien und ist in Deutschland insbesondere bei Daytradern eine gerne genutzte Handlungsoption. Doch CFDs gehören schon seit einigen Jahren zu den eher umstrittenen Instrumenten am Finanzmarkt. So sind sie etwa in den USA und in Belgien vollkommen verboten und in Deutschland besteht seit 2017 zumindest ein Verbot für sogenannte nachschusspflichtige CFDs.

Es sind Kontrakte, die aufgrund ihrer synthetischen Natur und durch die direkte Steuerung des anbietenden Brokers eine oftmals hohe Hebelwirkung ermöglichen. Dabei kommt es einem möglicherweise zuerst in den Sinn, dass sich ungeahntes Profitpotential entfaltet.

Denn mit 100 Euro Einsatz lassen sich gerne mal 10.000 Euro bewegen. Doch dabei wird gerne verkannt, dass das Risiko ebensohoch ist. Potentialentfalten, sowohl nach oben wie nach unten. ​

Ein weiteres spannendes Kapitel im Bereich Traden lernen.

CFD Handel für Einsteiger

CFD Handel für Einsteiger

Die Historie des CFD Handels

Im Verhältnis zu anderen Finanzprodukten sind CFDs sehr jung. Sie entstanden beim englischen Ableger der Schweizer Großbank UBS in den 1980er-Jahren unter dem Eindruck einer vom englischen Finanzamt erhobenen Stempelsteuer für Aktientransaktionen.

Um diese zu umgehen, wurden die Contracts for Difference entwickelt, die nicht an der Börse gehandelt werden und damit auch nicht der Stempelsteuer unterliegen.

Wie genau funktioniert der CFD Handel?

Ein CFD wird immer auf einen Basiswert emittiert, der sowohl long, als auch short gehandelt werden kann. ​Insbesondere die nahezu uneingeschränkte Möglichkeit des shortens (Leerverkauf) des CFD ist aufgrund fehlender rechtlicher Limitierung eine gern genutzte Handelsalternative für Daytrader.

Denn während Aktien in Deutschland nur schwer geshortet werden können (insbesondere über Nacht), ist ​ein​ auf eine Aktie emittierter CFD viel leichter zu shorten. 

​Kauft ein Anleger einen CFD ist dies gleichzusetzen mit dem Kauf des Basiswertes. Verkauft ein Anleger einen CFD ist dies wiederum gleichzusetzen mit dem Verkauf des Basiswertes. 

​Eine Besonderheit beim CFD-Handel ist die enorme Hebelwirkung. Denn der Anbieter legt fest, mit welchem Hebel gehandelt werden kann. So ist es durchaus üblich, dass Konten bereits mit nur 250 Euro Mindesteinzahlung eröffnet werden können. Bietet der Broker dann die Möglichkeit des gehebelten Handels von 1:100 an, dann bedeutet das für den Anleger, dass 250*100, also 25000 Euro bewegt werden können.

Was dabei ganz gerne mal übersehen wird ist die Tatsache, dass der Anleger bei einer um nur 1% gegen ihn laufenden Position bereits Pleite ist.

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu durch den Händler zu leistenden Nachzahlungen, da die durch die Bank eingeräumte Hebelwirkung einfach zu hoch war und größere Kursreaktionen zu einer umfangreichen Nachschusspflicht führten.  

Dies ist mit ein Grund dafür, warum die BaFin, die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, CFDs mit Nachschusspflicht verboten hat, zumindest für Anbieter, die auf dem deutschen Markt vertreten sind.

Was bedeutet das Verbot für den deutschen Markt?

Seit der am 8. Mai 2017 eingeführte Regelung ​mag gefühlt zu einem Attraktivitätsverlust geführt haben. Doch schaut man sich die Suchanfragen für CFDs seit Juni letzten Jahres an, so hat sich das Suchvolumen mehr als verdoppelt. 

Das potentielle Risiko des Anlegers ist nun limitiert auf seinen Einsatz. ​Somit ist der Anbieter gezwungen, die Positionen zu schließen, wenn der Kurswert unter die Sicherheitsleistung sinkt, um so eine Nachschusspflicht zu vermeiden.

Übrigens hat z.B. FXFlat das Vorhaben schon frühzeitig unterstützt, Nachschusspflichten zu reglementieren. Private Anleger, die eine Alternative zu herkömmlichen Vermögensanlagen suchen, besitzen in der Regel kaum das Wissen, um die Risiken der einzelnen nachschusspflichtigen  CFD-Produkte einschätzen zu können. 

​Es ist also eine zu begrüßende Regulierung. Bei einem Kurssprung in die gewünschte Richtung wirkt der Hebel entsprechend positiv. Bei einem Kurssprung in die falsche Richtung gibt es Limitierungen des Risikos. Das der Broker die dadurch entstehenden Kursrisiken anderweitig mit in seiner Kostenstruktur berücksichtigt, sollte jedem bewusst sein.

​Haben Contracts for Difference auch Vorteile?

CFDs besitzen durchaus ihre Vorteile gegenüber anderen Anlage- oder Investitionsprodukten. Zum einen benötigt der CFD-Handel nur ein relativ geringes Startkapital, das etwa bei 250 Euro beginnen kann.

 Zum anderen eignet sich das moderne Online CFD-Trading sowohl für die langfristige Anlage wie die kurzfristige Spekulation. Allerdings sind CFDs aufgrund der anfallenden Kosten eher für den kurzfristigen Handel, das Day-Trading geeignet. 

Wer jedoch in der Lage ist, die Kursentwicklung eines Wertes über einen längeren Zeitraum richtig einzuschätzen, kann trotz der täglich anfallenden Kosten für eine Position aufgrund des Hebels erheblich höhere Gewinne einfahren als mit anderen Investitionsprodukten.

Doch obacht, wie bei allen anderen synthetischen Börsenprodukten auch, ist bei Contracts for Difference (CFDs) die Finanzierung insbesondere bei längerfristig zu haltenden Positionen sehr teuer. Denn den eingeräumten Hebel lässt sich der Broker wie einen Kredit gut verzinsen.

Was kostet CFD-Trading?

Im Handel mit CFDs fallen drei Positionen an:

  • Die Fixkosten
  • Die Transaktionskosten
  • Die Finanzierungskosten

Als Fixkosten werden die Kontoführungsgebühren beim Broker bezeichnet, bei dem das Online-Konto geführt wird. Diese Fixkosten fallen immer an, gleich, ob gehandelt wird oder nicht.

Transaktionskosten sind die Haupteinnahmequellen für den CFD-Broker. Es ist eine kleine Differenz zwischen Ankauf und Verkauf der CFDs, dem sogenannten Spread.

Ähnlich wie bei Devisen, etwa Dollar für den Urlaub, ist der Verkaufspreis immer etwas höher als der Ankaufspreis. Im CFD-Handel wird dieser Unterschied wie bereits erwähnt "Spread" genannt. ​

Beispiel: Die Kursstellung lautet 122 Euro BID und 124 Euro ASK. Der Spread beträgt 2 Euro (124-122). Kauft ein Anleger auf das ASK zu 124 Euro und verkauft sofort wieder zu 122, hat er also umgehend 2 Euro pro CFD Verlust gemacht. Natürlich kann beim CFD-Handel auch mit Limits gearbeitet werden, soch üblicherweise wird der Handel erst ausgeführt, wenn BID bzw. ASK den jeweiligen Preis erreichen.

Das ist ein sehr wesentlicher Nachteil des CFD-Handels. Der Handel mit dem orginären Basiswert bietet viel bessere Möglichkeiten, kosteneffizient zu handeln und Limit-Aufträge gezielt zu platzieren, bessere Kursausführungen zu erhalten und kleinteiliger zu handeln.

Die Finanzierungskosten sind der wirklich komplexe Teil im CFD-Handel. Allerdings fallen diese Finanzierungskosten auch nur dann an, wenn eine Position länger als 24 Std. gehalten wird. Wer einen CFD-Contract erwirbt, hinterlegt dafür eine Sicherheit, z.B. etwa 10 % des realen Wertes, abhängig vom gewählten Hebel.

Die anderen 90 % des Wertes sind ein Kredit des Brokers, der dem Anleger gewährt wird. Beim tagesgleichen Handel, also wenn der CFD noch am selben Tag wieder veräußert wird, fallen keine Zinsen für den Kredit an, weil diese bereits in den Spread des Brokers einberechnet sind.

Nach 24 Std jedoch wird der Zinssatz neu berechnet, wobei dies keineswegs willkürlich erfolgt, sondern meist auf Grundlage des EURIBOR, dem Referenzzinssatz für Termingelder. Handelt es sich um einen Leerverkauf, also eine Positionseröffnung unter der Annahme, dass der Kurswert fällt, dann werden die Zinsen aus der täglichen Berechnung dem Konto des Anlegers gutgeschrieben.

Das Finanzamt und CFDs

Hier fällt bei Gewinnen die ​Abgeltungssteuer an. Diese wird bei Brokern, die ihren Hauptsitz in Deutschland haben, direkt von diesen an das Finanzamt abgeführt. Anders sieht es bei ausländischen Brokern aus.

Hier ist der Anleger selbst in der Pflicht, seine Gewinne zu versteuern. Das hat aber auch den Vorteil, dass vor der Abführung der Abgeltungssteuer Gewinne, Verluste und Kosten gegen gerechnet werden können und erst am Ende des Jahres der Steueranteil abgeführt wird (bzw. nach Abgabe der Steuererklärung).

Wenn die Gewinne als konstant steigen, ist das Basiskapital bis zur Abführung der Steuer höher, als bei einem vergleichbaren CFD-Broker im Inland.

Ein Entscheidungskriterium für eine Kontoführung im Ausland sollte es meiner Ansicht nach nicht sein, aber wie bei allen Entscheidung bist Du hier ganz allein für Deine Entscheidungen verantwortlichen

CFD Handel in der Kurzzusammenfassung​

Den Risiken des CFD-Handels stehen entsprechende Gewinnmöglichkeiten gegenüber und das Verbot der Nachschusspflicht ist hierbei durchaus sinnvoll. Allerdings sollte ein Anleger nicht gleich ins berühmte kalte Wasser springen, sondern längere Zeit ein Demokonto nutzen. 

​Für Anleger, die über wenig Startkapital verfügen, kann die Nutzung eines CFD-Brokers eine durchaus willkommene Alternative zum normalen Online-Broker sein. 

Jedoch sollte man sich beim gehebelten Handel von der Idee des Investierens verabschieden und die Investition in CFDs eher als Glücksspiel betrachten. 

Denn nichts anderes ist es, wenn ein Anleger mit 250 Euro Eigenkapital dann schlussendlich Positionen mit 25.000 Anlagevolumen eröffnen. 

​In meinen Zeiten als Daytrader habe ich es immer vorgezogen, möglichst wenig an Transaktions- und Finanzierungskosten zu zahlen. Streckenweise zahlte ich weniger als 0,5 CENT je Aktie an Transaktionskosten.

Da ich in einigen Strategien als Liquidity Provider fungierte, waren sogar Gebühren von deutlich weniger als 0,5 Cent je Aktie möglich. Das allerdings nur im Handel mit US-Aktien. Nur so ließen sich kleine Kursbewegungen gewinnbringend als Gewinn verbuchen. ​

Nicht auszudenken, wo meine P&L gestanden hätte, wenn ich Mega-Spreads hätte finanzieren müssen.

In Summe sind CFDs sicher immernoch etwas risikoärmer als der Handel mit Kryptowährungen wie z.B. den Bitcoin. ​

Für Langfristanleger sind CFDs m.E. ungeeignet, für Swingtrader bei geringem Hebel okay, wenngleich unter Finanzierungskostengesichtspunkten eher unattraktiv und für Spekulanten und Glücksspielaffinie Trader insbesondere beim angestrebten Leerverkauf ​ einen Blick auf ein Demokonto wert.

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