Factoring zur Sicherstellung von dauerhafter Liquidität

Ein Unternehmen am Laufen zu halten, ist nicht immer einfach. Dabei können sowohl für etablierte Firmen wie auch Geschäftsgründer oder Start-ups immer wieder einmal liquiditätsbedingt unvorteilhafte Situationen auftreten, die eine mehr oder weniger starke Schieflage auslösen können. An der vordersten Front für die Ursachen solcher möglichen Situationen sind Zahlungsausfälle oder verspätet bezahlte Rechnungen von Kunden. Factoring ​kann in solchen Fällen die Lösung sein.

Gerade produzierende Unternehmen treten oft mit hohen Summen in Vorleistung, aber auch Dienstleister müssen ihre laufenden Kosten pünktlich begleichen. Das macht eine entsprechende Liquidität notwendig. Mitunter werden dafür teure Giro-Kredite in Anspruch genommen, deren Zinsbelastung aber letztlich den Ertrag des Unternehmens schmälern.

Dies hängt oft mit der durchaus berechtigten Kundenfreundlichkeit der Unternehmen zusammen. Diese räumen ihren Geschäftspartnern bei der Begleichung der Rechnung entsprechend lange Zahlungsziele ein, um sie nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Kunden, die durchaus die zweite oder eventuell auch eine dritte Mahnung verstreichen lassen, bis der offene Betrag überwiesen wird.

Factoring

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Gute Zahlungsmoral – mit Ausnahmen

Je nach Gesamtsituation des jeweiligen Unternehmens stellen schon die eingeräumten Zahlungsziele eine Belastung dar, sie werden zwecks Kundenpflege aber trotzdem gewährt.

Werden die Rechnungen aber über diesen Zeitraum nicht beglichen, fehlt nicht nur dieses Geld in der Kasse, der oder die Unternehmerin muss weitere Kosten für das Mahnwesen einberechnen.

Im schlimmsten Fall muss versucht werden, den ausstehenden Betrag gerichtlich einzuklagen. Dies geht alles zuerst zulasten des Unternehmers, der dabei zugleich das Risiko eingeht, sowohl auf den Kosten des Mahn- und Gerichtswesens wie auch der offen Forderung selbst sitzen zu bleiben.

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick in die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. In allen in Deutschland vom Jahr 2011 bis 2015 eröffneten und beendeten Insolvenzverfahren entstanden Gesamtforderungen der Gläubiger in Höhe von 9,7 Milliarden Euro. Von dieser Summe wurden gerade einmal 2,2 % beglichen. Rund 9,5 Milliarden Euro mussten als Totalverlust abgeschrieben werden. Dabei waren in den beschriebenen Insolvenzverfahren auch Firmen dabei, die eben aufgrund offener Rechnungen in die Insolvenz schlitterten.

Selbst die aktuell gute Konjunkturlage, ausgelöst durch die langjährige Niedrigzinspolitik der EZB, birgt ihre Gefahren. Das aktuell „billige“ Geld am Markt verleitet viele Unternehmen dazu, auf „Pump“ zu leben beziehungsweise zu wirtschaften.

Sobald jedoch die Zinsen wieder steigen, was über kurz oder lang passieren wird, kommen viele der Unternehmen in Schwierigkeiten, weil die Zinsen aus den Krediten nicht mehr bedient werden können und sich ebenso die Kreditaufnahme erschwert. 

In der Folge können dabei sogar eigentlich gesunde Unternehmen mit in den Untergang gerissen werden. Das Factoring ist hier eine Möglichkeit, dem eigenen Unternehmen Liquidität zu verschaffen, ohne dafür Kredite in Anspruch nehmen zu müssen. 

Was ist Factoring?

Für viele Unternehmen ergibt sich folgende Problematik: Es kam zu Warenlieferungen oder zu Dienstleistungen, wobei der Lieferant auch anderweitig in Vorleistung trat. Nach der Ausstellung der Rechnung nutzt der Kunde das Zahlungsziel bis zum letzten Tag oder sogar noch darüber hinaus.

Bei einer geringen Anzahl derartigen Verhaltens im gesamten Kundenstamm ist dies meist noch tragbar, doch kommt es auch hierbei auf den offenen Betrag an. Steigt zudem die Anzahl offener Rechnungen, kann es kritisch werden. Dieses Risiko kann durch die Partnerschaft mit einem Factoring-Unternehmen auf fast Null reduziert werden.

In der Kurzform sieht die Partnerschaft mit dem Factoring-Unternehmen folgendermaßen aus.

  • ​Der Betrieb stellt nach wie vor seine Rechnungen für erbrachte Leistungen aus.
  • ​Das Original der Rechnung geht an den Kunden, eine Kopie an das Factoring-Unternehmen oder den Factor.
  • ​Dieser wiederum begleicht den offenen Betrag innerhalb von 1 bis 2 Tagen unter Einbehaltung von 10 % der Summe.
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    Wird die Rechnung nun ordnungsgemäß durch den Kunden innerhalb des Zahlungsziels beglichen, behält der Factor einen Teil der einbehaltenen 10 % zur Deckung seiner Kosten und überweist den Rest an das Unternehmen.
  • check-square-o
    Kommt es zu einem Zahlungsverzug durch den Kunden, übernimmt ab sofort der Factor das Mahnwesen bis hin zum gerichtlichen Verfahren.

Der Factor trägt hierbei auch das Risiko des Totalverlustes, denn in Deutschland wird überwiegend das sogenannte echte Factoring betrieben.

Was ist unechtes und echtes Factoring?

Als unechtes Factoring wird es bezeichnet, wenn ein Factor auf eine offene Rechnung dem Aussteller der Rechnung einen Kredit gewährt, dieser aber weiterhin das volle Risiko des Totalverlustes trägt.

Das echte Factoring hingegen beinhaltet den Kauf der offenen Forderung und damit auch das Risiko des Totalverlustes für den Factor. Es bestehen noch weitere Varianten des Factoring, so etwa das Auswahl-Factoring, das offene sowie das stille Factoring.

In welcher Form die Partnerschaft zwischen Factor und Unternehmen vereinbart wird, hängt von den Verhandlungen ab. 

Wie funktioniert Factoring im Detail?

Abgesehen von Teilen der Buchhaltung und des Rechnungswesens ändert sich für den Partner eines Factors bei den innerbetrieblichen Prozessen nichts. Nach erbrachter Leistung erfolgt die Rechnungsstellung sowohl an den Kunden wie an den Factor in Kopie.

Solange die Zahlungsziele von den Kunden eingehalten werden, verläuft die Partnerschaft zwischen Factor und Unternehmer weitgehend gleich bleibend.

Der Factor überweist sofort die 90 % des offenen Betrages und sorgt so dafür, dass der Unternehmer liquide bleibt, seine laufenden Kosten decken sowie Investitionen in Güter und Maschinen leisten kann. 

Erst wenn es zu einem Zahlungsverzug durch einen Kunden kommt, passiert etwas. Es wird für den Unternehmer noch leichter. Denn nun ist der Factor für das Mahnwesen oder das Forderungsmanagement verantwortlich.

Das spart in der eigenen Buchhaltung einiges an Personalkosten ein. Dabei können die Partner von Factoring-Unternehmen die Zusammenarbeit so vereinbaren, dass etwa Mahnungen weiterhin unter dem Namen des Partnerunternehmens laufen (stilles Factoring) und nicht im Namen des Factors.

Es kann ja gute und verständliche Gründe haben, wenn ein guter Kunde einmal nicht oder stark verzögert zahlt, dann würde der Kunde nicht das Gefühl haben, das ihm sein langjähriger Geschäftspartner sofort eine Inkasso-Firma auf den Hals hetzt.

Die weiteren Vorteile des Factoring

Die über den Factor abgesicherten und vor allem schnellen Zahlungseingänge aufgrund der ausgestellten Rechnungen bringen aber nicht nur eine beständige Liquidität. Auch auf der Bonitätsseite, der passiven Seite, macht sich die Partnerschaft mit dem Factor positiv bemerkbar.

Das ist gerade für Unternehmen und Selbstständige von großer Bedeutung, denn trotz aktuell niedriger Zinsen bestehen für Kreditinstitute die Vorgaben von Basel III, die sich im besonderen Maße auf die Bonität der Unternehmen bei der Kreditvergabe beziehen.
 

Welche Nachteile bestehen beim Factoring?

Ein Factoring-Unternehmen ist keine Non-Profit-Organisation. Darum entscheiden die jeweiligen Firmen von Fall zu Fall, mit wem sie eine Partnerschaft eingehen und in welcher Form.

Wenn sich der Kundenstamm zudem als überwiegend zahlungswillig zeigt, ist ein Factor als Partner auch kaum notwendig, denn dieser möchte natürlich am liebsten alle Rechnung über sich abwickeln, um den eigenen Umsatz zu erhöhen.

Auch Unternehmen, die größtenteils Rechnungen mit geringen Summen ausstellen, werden es schwer haben, einen Factor als Partner zu finden, denn ob die Rechnungssumme nun 5 Euro oder 5000 Euro beträgt, bleibt sich im Aufwand für den Factor gleich, der Profit für den Factor ist bei 5000 Euro pro Rechnung messbar größer.

Fazit

Das echte Factoring ist für bestimmte Unternehmen mit entsprechendem Umsatz, Rechnungshöhen und einem großen Kundenkreis eine durchaus vorteilhafte Sache, die dauerhafte Liquidität und Bonität bringt sowie Ressourcen im eigenen Unternehmen einsparen kann.

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