5 Dinge, die Du über Künstliche Intelligenz wissen solltest

An den Börsenplätzen dieser Welt ist die Digitalisierung fest implementiert und schafft mit jeder Innovation und weiteren Technologisierung strukturelle Tatsachen. Wie sind diese Entwicklungen bisher zu bewerten? Was bedeuten sie unter Umständen für Dich als Anleger und warum ist das Verständnis dafür für das traden lernen so wichtig?

Künstliche Intelligenz im Börsenhandel

Künstliche Intelligenz im Börsenhandel

Computer kaufen und verkaufen vollautomatisch

​Im Wesentlichen laufen weite Teile des Börsenhandels bereits vollkommen automatisiert ab. Dabei spricht man vom Algo-Trading (Algo = Algorithmus).

Institutionelle Anleger, wie Banken, Fondsgesellschaften, Versicherungen und dergleichen, greifen auf Computer zurück, die voll- bis teilautomatisierte Anlagestrategien verfolgen und in diesem Sinne teilweise autonom Orders formulieren und einreichen.

Also ganz unmittelbare Kaufs- und Verkaufsentscheidungen treffen. Je nach Konfiguration können diese Computer bzw. Programme konservative Anlagestrategien (z.B. das Verfolgen eines Trends) oder aber auch spekulative Ansätze umsetzen.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Bewährte Anlagestrategien bzw. Aspekte derselben werden automatisch und in großer Geschwindigkeit umgesetzt; der Rahmen für menschliches Versagen dementsprechend minimiert.

Des Weiteren geschieht das alles schnell und routiniert, sodass bereits die reine Abwicklung wesentlich dynamischer läuft, als es alleine durch menschliche Akteure denkbar wäre.

Das heutige Handelsvolumen wäre ohne KI gestützte Automatismen undenkbar

Die Effizienzvorteile durch Algo-Trading prägen unsere heutigen Handelsgegebenheiten. So lag bereits 2010 der Anteil der durch Computer eingegebenen Orders bei rund 50% des Handelsvolumens der Finanzmärkte. Eine Entwicklung, die sich entschieden verschärft hat.

Da aber auch menschliche Entscheidungsträger im Allgemeinen via Computer ihre Orders übermitteln, werden die Differenzierungen mittlerweile etwas schwierig, was die Erhebung entsprechender Zahlen natürlich schwer macht.

Allerdings ist eine Art des computergestützten Handels recht gut zu erkennen, weil wenig subtil. Der Hochfrequenzhandel beschreibt die Praxis, potentiell tausende von Orders in der Sekunde zu realisieren.

Durch Glasfaserkabel und immer ausgereiftere Programme liegt der Vorteil dieser Praxis in ihrer unfassbaren Geschwindigkeit. Seit dem Aufkommen des Hochfrequenzhandels hält er die Börse in Atem und bedingt Millionen und Abermillionen von Orders – in der Minute!

Der Hochfrequenzhandel macht in manchen Marktsegmenten, wie Futures und ETF's, mittlerweile mehr als die Hälfte des Handelsvolumens aus.

Dadurch entsteht eine wahnsinnige Liquidität, was Gelegenheiten schafft und mittlerweile auch durchaus so ausgedehnt geschieht, dass es als Marktfaktor mit volkswirtschaftlicher Relevanz gesehen werden kann.

Algo-Trading ist nicht gleich Hochfrequenzhandel

Häufig werden die Begriffe Algo-Trading und Hochfrequenzhandel in der Berichterstattung wie Synonyme behandelt.

Das ist jedoch nicht korrekt. Während “Algo-Trading“ die Praxis computergestützter und zum Teil computergesteuerter Orders im Allgemeinen umschreibt, so bezieht sich die Bezeichnung “Hochfrequenzhandel“ ausdrücklich auf solch computerbasierenden Praktiken, bei denen die Effizienz gänzlich sowie strategisch im Vordergrund steht. 

Es werden die schnellsten Leitungen verbaut und die größtmögliche räumliche Nähe zu den Börsen gesucht (kürzere Leitung = schnellere Übertragung).

Des Weiteren sind die Programme so strukturiert, dass Notwendigkeiten des menschlichen Eingreifens auf ein absolutes Minimum reduziert werden.

Es geht beim Hochfrequenzhandel buchstäblich um Millisekunden! Denn diese unfassbare Schnelligkeit, in der Orders in großer Zahl abgegeben werden können, gestattet das Verfolgen ganz diverser Marktstrategien, wie zum Beispiel Gewinne durch Arbitrage, bei denen Geschwindigkeit alles ist.

Umstrittener Hochfrequenzhandel

Der Hochfrequenzhandel bringt allerdings nicht nur positive Marktentwicklungen mit sich. Tatsächlich ist er aus folgenden Gründen sehr umstritten.

  • Mehr Volatilität – Durch die schiere Menge an Orders binnen kurzer Zeiträume werden Preisschwankungen erheblich betont.
  • Geringere realwirtschaftliche Preisbindung – Gemessen daran, dass sehr viele Hochfrequenzhändler Strategien verfolgen, die eher bei irgendwelchen mathematischen Bezugsgrößen greifen, also oft nur noch wenig bis nichts mit realwirtschaftlichen Überlegungen zu tun haben, werden die Preise vor allem strategisch beeinflusst.
  • Verschreckte Investoren – Investoren, die sich längerfristig an ein Unternehmen binden wollen, werden durch übermäßige Volatilität verschreckt. Daher ist der Aktienanteil bei vielen Versicherungsfonds mittlerweile so gering (phasenweise nur um die 3%). Er lässt sich nicht mehr mit der Garantie einer relativen Wertstabilität vereinbaren. Lediglich die über die letzten Jahre betriebene Niedrigzinspolitik hat institutionelle Investoren, wie eben Versicherungsfonds, notgedrungen etwas mehr in die Aktien zurückgetrieben.
  • Kleine Anleger haben das Nachsehen – Kleine Anleger müssen vielerorts erhebliche Wettbewerbsnachteile erdulden. Bis ihre individuell eingegebenen Orders durch sind, haben sie meist Tausende von Hochfrequenz-Orders vor sich anstehen. Wodurch die gehandelten Werte sich drastisch ändern und Margen zusammenschmelzen können. Sprich: Die Vorzeichen, von denen ein kleiner Anleger ausgeht, wenn er eine Order abgibt, können sich bis zum Bearbeiten derselben erheblich geändert haben. Auch Stopp-Loss-Limit-Orders unterbinden diesen Nachteil nicht, da sie in der Bearbeitung keine hohe Priorität haben und weit hinten angestellt werden. Und dadurch dass auch viele institutionelle Fonds (wie Versicherungen, Renten etc.) den Hochfrequenzhändlern gegenüber im Nachteil sind, werden diese Effizienznachteile letztlich an die Beitragszahler weitergegeben.
  • Manipulationsmöglichkeiten sind Tür und Tor geöffnet – Bei Millionen von Orders binnen kürzester Zeit und einem so gewaltigen Hebel liegen Manipulationsmöglichkeiten auf der Hand. Hochfrequenzhändler können selbst die Preise ganzer Aktienindexe signifikant beeinflussen! Da liegt die Versuchung nahe, Preise in bestimmte Richtungen zu treiben, um gewisse Marktreaktionen zu provozieren und dann daraus Kapital zu schlagen.

Aufsichtsbehörden kommen praktisch nicht mehr hinterher

Dem Ganzen Herr zu werden, ist mittlerweile ein frommer Wunsch. Allein schon weil der Börsenmarkt so stark internationalisiert ist, dass die diversen Rechtsräume eine effektive Aufsicht juristisch sehr erschweren.

Zumal die Hochfrequenzhändler bislang flexibel auf Gesetzesänderungen reagiert haben und rasch neue Schlupflöcher finden konnten. Vor allem aber sind die Aufsichtsbehörden in diesem technologischen Wettrüsten hoffnungslos abgehängt.

Ihnen steht eine global agierende Armada an Supercomputern gegenüber, die in wenigen Handelsminuten so viele Orders umwälzt, wie ein Prüfer in einigen Wochen bewältigen kann.

Fazit

Die computergestützte Techno- und Digitalisierung des Börsenhandels hat neue Tatsachen geschaffen. Gute wie schlechte. Einerseits wurden Potenziale für menschliches Versagen minimiert und die Liquidität maßgeblich erhöht.

Andererseits hat man sich damit eine regulativ schwer zu bändigende Hydra in Form des Hochfrequenzhandels ins Haus geholt und damit einen eigentlichen Sekundärmarkt zum nimmersatten Taktgeber gemacht, der bereits im Flash-Crash 2010 zeigte, welches Potential in ihm steckt.

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