Was sind Derivate? (Alles über CFDs, Optionen & Co.)

​Unter einem Derivat versteht man gemeinhin, dass etwas ein “Abkömmling“ bzw. eine Unterkategorie von etwas Zugrundeliegendem ist. So verhält es sich auch bei Finanzderivaten. Was Du über sie wissen solltest und warum Du dich nicht Hals über Kopf in die (laut Werbung) verheißungsvolle Welt der CFDs, Optionen und Co. stürzen solltest, das erfährst Du im Folgenden Beitrag der Kategorie traden lernen.

Was sind Derivate

Was sind Derivate

​Was genau sind Finanzderivate?

Bei Finanzderivaten handelt es sich um von einem Basiswert abhängige Finanzprodukte, die (je nach Einsatz und Natur des Derivats) bei Kursverlusten oder Kurssteigerungen dieses Basiswerts steigen oder sinken.

Basiswerte können zum Beispiel Aktien, Rohstoffe, Fonds oder dergleichen sein. Es handelt sich also gewissermaßen um Wetten darauf, ob ein Basiswert an Wert zulegen oder verlieren wird. Im Kern geht es um indirekte Investitionen und sehr spekulative Finanzprodukte.

Wenn von den Zockern an der Börse (berechtigt bis unberechtigt) die Rede ist, dann sind Finanzderivate einer der Gründe für diese Wahrnehmung.

​​Woher kommen Finanzderivate?


Zu Zeiten der Segelschifffahrt war der Welthandel bereits eine weit gediegene Angelegenheit. Allerdings auch eine höchst ungewisse. Denn zahlreiche Gefahren lauerten auf hoher See:

  • Segelschiffe waren der Gnade des Windes ausgeliefert. Wobei sich zu wenig Wind ebenso katastrophal auswirken konnte wie zu viel Wind, eingedenk limitierter Vorräte.
  • Piraterie war ein immer wieder aufflammendes Problem.
  • Höchst ungewisse diplomatische Beziehungen konnten sich sogar als noch brenzliger als Piraten erweisen. Während der beträchtlichen Zeit auf See konnte (ohne dass man selber davon wusste) Krieg ausbrechen und plötzlich war man für die Kaperfahrer einer ehemals befreundeten Nation ein gefundenes Fressen.

Eingedenk solcher Unsicherheiten vereinbarten manche Händler Termingeschäfte. Man einigte sich auf eine gewisse Abnahmemenge eines zu transportierenden Guts und handelte im Voraus den Preis aus, der bei Übergabe zu entrichten war.

Den Empfängern gab dies die Gewissheit, dass eine Lieferung speziell zu ihnen unterwegs war und diese in einem vorher festgelegten Zeitraum sowie in vereinbarter Qualität und Menge bei ihnen eintreffen müsste.

Und den Schiffsbesitzern wurde eine Abnahme ihrer Waren am Zielort mit vorher vereinbarter Preissicherheit zugesichert. Im Kern ging es also um Absicherung.

​Wie werden Finanzderivate im Allgemeinen eingesetzt?

Finanzderivate gestatten es Anlegern, an Wertentwicklungen eines Basiswerts teilzuhaben, ohne dass sie selber Anteile eben dieses Basiswerts halten müssen.

Profit ist sogar dann möglich, wenn die Wertentwicklung des Basiswerts negativ verläuft, sofern man darauf gesetzt hat.

Diese Form der Teilhabe an Wertentwicklungen ist insofern interessant, weil der Erwerb entsprechender Derivate meistens viel günstiger ist, als der Erwerb des zugrundeliegenden Basiswerts.

Es ist also ein Markt, der zumindest beim Einstieg keine hohen Anforderungen an verfügbares Kapital stellt. Scheinbar!

Denn die meisten Derivate arbeiten mit Hebeln. Sie spiegeln nicht 1:1 die Wertentwicklung des Basiswerts wieder, sondern können analog dazu 2:1, 3:1 oder sogar in noch weit höherem Verhältnis steigen.

Die Wertentwicklung wird also exponentiell betont, was riesige Rendite-Möglichkeiten bietet. Jedoch verhält sich das in die andere Richtung ebenso! Entwickelt sich der Basiswert entgegen der eigenen Spekulation, so macht man gemäß der Hebelwirkung die entsprechenden Verluste.

Das kann spätesten dann sehr unschön werden, wenn eine sogenannte Nachschusspflicht besteht. Dann kann man sogar über den Verlust des eingesetzten Kapitals hinaus zur Kasse gebeten werden.

Institutionelle Anleger (Banken, Versicherungen etc.) nutzen gewisse Finanzderivate hingegen zur Absicherung, für den Fall dass sich der Kurs eines von ihnen gehaltenen Basiswerts ungünstig entwickelt.

​Welche Arten von Finanzderivaten gibt es, wie unterscheiden sie sich?

Finanzderivate sind ein sehr differenzierter und komplexer Markt und umfassen mittlerweile zahlreiche Variationen:

  • Futures – Futures entsprechen in Grundzügen noch am ehesten dem erläuterten historischen Vorbild des Termingeschäfts. Es wird also vereinbart, zu einem gewissen Zeitpunkt einen gewissen Leistungsumfang zu liefern. In dem Fall ein Finanzprodukt. Jedoch findet der Austausch meist nur in Geld statt, weshalb Futures den Derivaten zugehörig sind. Dieses wird dann zu einem vordefinierten Preis abgenommen. Je nachdem, wie sich der Marktpreis analog zum vereinbarten Preis entwickelt, macht eine Partei dabei Gewinn oder Verlust.
  • ​Optionen – Optionen werden meist von Banken angeboten. Sie gestatten auf den künftigen Kurswert eines Basiswerts zu spekulieren. Und zwar indem man über den erworbenen Optionsschein definiert, dass man künftig zu einem gewissen Preis den Basiswert erwirbt. Liegt der Kurs zu diesem Zeitpunkt höher, macht man Gewinn, indem man entweder den Basiswert unter Marktwert bezieht oder sich die Differenz auszahlen lässt. Ebenso lässt sich auf fallende Kurse spekulieren.
  • Zertifikate – Zertifikate sind recht unscharf definierte Derivate, die es in unendlich vielen Varianten gibt. Von simplen bis hin zu hochkomplexen Finanzinstrumenten ist alles dabei.
  • ​CFD/Differenzialkontrakte – CFDs sind Wetten auf die kurzfristige Wertentwicklung eines Basiswerts. Auch bei ihnen kann man demgemäß auf steigende oder fallende Kurse setzen. Sie haben mitunter die enormste Hebelwirkung und sind insofern als aggressive, risikoreiche Spekulation zu bewerten.
  • ​Forex – Beim Forex Trading werden Derivate gehandelt, die sich um Devisenhandel drehen. Und zwar in Form von Währungspaaren (bspw. EUR/USD), die deren Wertentwicklung zueinander widerspiegeln. Es werden Hebelprodukte wie CFDs eingesetzt und die meisten davon sind kurzfristig angelegt. Also auch dies ist ein hochspekulativer Markt.
  • Binäre Optionen – Binäre Optionen sind banale Wetten auf den Kursverlauf eines Basiswerts. Man wettet einfach, ob dieser wertvoller oder weniger wertvoll sein wird als zum Zeitpunkt, ab dem die Wette aktiv wird. Der Zeitraum, nachdem dies überprüft wird, kann zwischen einer Minute und mehreren Wochen liegen (je nach Angebot). Liegt man mit seiner Einschätzung richtig, profitiert man gemäß angebotener Modalitäten. Ansonsten ist zumindest der Großteil des Einsatzes weg.

​Wann sind Finanzderivate zu empfehlen?

Eigentlich sind Finanzderivate niemals leichtfertig zu empfehlen. Sie sind potenziell sehr riskant. Insbesondere gehebelte Finanzderivate sind ganz klar nur etwas für bestimmte, risikofreudige oder zumindest sehr kompetente Anleger.

Generell gilt, dass man sich niemals auf ein Finanzprodukt einlassen sollte, das man nicht gänzlich versteht. Dies gilt umso mehr bei Derivaten!

Diese können zwar ergänzend zur Absicherung gegen Kursverluste des Basiswerts genutzt werden oder aber auch um bei den entsprechenden Assets negative Währungs- und Zinsentwicklungen auszugleichen.

Das ändert aber nichts daran, dass sie in Summe ein recht delikates Finanzinstrument bleiben.

​​Finanzderivate - Mein Fazit

Dass Finanzderivate im Netz mittlerweile sehr aggressiv beworben werden – insbesondere privaten Anlegern gegenüber – ist den zahlreichen Online Brokern im Netz geschuldet, die sich auf entsprechende Finanzprodukte spezialisiert haben und das Ganze für jedermann schmackhaft machen wollen.

Während Finanzderivate in geschulten Händen durchaus ein potentes Finanzinstrument sind, das maßvoll auch zur Absicherung genutzt werden kann, sind sie ganz sicher nichts, um sich als Anfänger die Hörner daran abzustoßen.

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