Was ist ein Girokonto? Definition, Funktionen und Kosten

Das Girokonto ist das Fundament deiner persönlichen Finanzen. Ohne es bekommst du kein Gehalt, kannst keine Miete überweisen und an der Kasse wirst du ohne Debitkarte schnell in Erklärungsnot geraten. Trotzdem wissen viele Menschen erstaunlich wenig darüber, was ihr Konto eigentlich kann – und was es kostet. Dieser Ratgeber klärt das Wichtigste.

💡Girokonto – das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Girokonto ist dein Alltagskonto für Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen.
  • Geld fließt rein (Gehalt, Gutschriften) und raus (Miete, Abbuchungen) – der aktuelle Stand heißt Kontostand oder Saldo.
  • Viele Direktbanken bieten kostenlose Konten an – Filialbanken verlangen häufig Gebühren.
  • Du kannst jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln, oft sogar mit automatischer Umzugshilfe.

Was ist ein Girokonto überhaupt?

Das Girokonto ist dein Konto für den täglichen Zahlungsverkehr. Der Name kommt aus dem Italienischen: “giro” bedeutet Kreis oder Umlauf, “conto” heißt Rechnung. Treffender lässt sich die Idee kaum zusammenfassen – Geld kreist hier ein und aus.

Rechtlich gesehen ist ein Girokonto ein Kontokorrentkonto, das deine Bank für dich führt. Darüber läuft alles: Gehaltseingänge, Überweisungen, Daueraufträge, Lastschriften, Kartenzahlungen und Bargeldabhebungen am Automaten.

Die Differenz zwischen allen Eingängen und Ausgaben ist dein Saldo. Ist er positiv, hast du Guthaben. Ist er negativ, befindest du dich im Soll – dann kommt der Dispokredit ins Spiel, also die von der Bank eingeräumte Kontoüberziehung. Dafür werden Dispozinsen fällig, die je nach Bank zwischen 7% und 14% pro Jahr liegen können. Den Dispo solltest du also nur im Notfall nutzen.


Was kann ein Girokonto?

Grundsätzlich gilt: Ein modernes Girokonto ist deutlich mehr als nur ein Stellplatz für dein Geld. Die wichtigsten Funktionen im Überblick:

Überweisungen und Daueraufträge Über das Online-Banking oder die App deiner Bank überweist du Geld an andere Konten – innerhalb der EU reicht dafür die IBAN. Für regelmäßige Zahlungen wie die Miete richtest du einen Dauerauftrag ein, der automatisch zu einem festen Termin läuft.

Lastschriften Viele Abonnements und Verträge werden per Lastschrift eingezogen. Das bedeutet: Der Empfänger zieht den Betrag direkt von deinem Konto ab – du musst nichts tun, außer ausreichend Deckung zu haben.

Kartenzahlungen Zu deinem Girokonto bekommst du eine Debitkarte (früher häufig Maestro-Card genannt). Damit zahlst du im Supermarkt, Restaurant oder online. Anders als eine Kreditkarte bucht die Debitkarte den Betrag sofort oder zeitnah ab.

Geld einzahlen und Geld abheben An Geldautomaten und vielen Bankfilialen kannst du Bargeld abheben oder einzahlen. Ob das kostenlos geht, hängt von deiner Bank und deiner Karte ab – manche Direktbanken ermöglichen sogar kostenlose Abhebungen weltweit.

Online- und Mobile-Banking Fast alle Banken bieten heute eine App und ein Online-Banking-Portal an. Überweisungen, Kontostand prüfen, Daueraufträge verwalten – all das läuft per Smartphone. Für Transaktionen brauchst du meist einen zweiten Sicherheitscode, die sogenannte TAN (Transaktionsnummer).


Kostenlos oder nicht? Was ein Girokonto kostet

Die Zeit der flächendeckend kostenlosen Konten bei Filialbanken ist vorbei. Viele Sparkassen und Volksbanken verlangen heute zwischen 5€ und 15€ im Monat für die Kontoführung. Direktbanken sind da meist günstiger – einige bieten weiterhin kostenlose Konten an, oft aber nur mit bestimmten Bedingungen:

  • Mindestgeldeingang pro Monat (häufig 500€ bis 700€)
  • Mindestalter unter 28 Jahren
  • Aktive Nutzung des Kontos

Gerade wenn du dein Gehalt regelmäßig eingehst, erfüllst du solche Bedingungen meist automatisch. Lohnt sich aber, das Kleingedruckte zu lesen – denn ohne Geldeingang kann ein vermeintlich kostenloses Konto plötzlich 3,90€ im Monat kosten.

⚠️Dispo nutzen kostet richtig Geld

Der Dispokredit klingt praktisch, ist aber teuer. Bei 1.000€ Überziehung und 12% Zinsen zahlst du im Jahr rund 120€ nur für die Kontoüberziehung. Besser: Einen kleinen Puffer auf dem Konto halten oder einen günstigeren Ratenkredit nutzen, wenn du einen größeren Betrag brauchst.


Girokonto eröffnen: So geht’s

Früher brauchte man dafür einen Gang zur Filiale. Heute konto eröffnen die meisten Banken komplett online – per Video-Ident oder Post-Ident legitimierst du dich, ohne das Haus zu verlassen. In der Regel brauchst du:

  • einen gültigen Personalausweis oder Reisepass
  • eine deutsche Meldeadresse
  • bei manchen Banken: Nachweis eines regelmäßigen Einkommens

Vollständig, dauert die Kontoeröffnung oft nur wenige Minuten. Die IBAN bekommst du meist sofort, die physische Karte kommt ein paar Tage später per Post.

💡Konto für Minderjährige

Wer unter 18 ist, kann oft ein Jugendkonto eröffnen – meistens kostenlos und ohne Dispomöglichkeit. Eltern müssen in der Regel zustimmen. Ab 18 läuft das Konto dann automatisch weiter oder kann auf ein Erwachsenenkonto umgestellt werden.


Konto wechseln: Einfacher als du denkst

Viele scheuen den kontowechsel, weil sie befürchten, dass alle Daueraufträge und Lastschriften neu eingerichtet werden müssen. Tatsächlich sind Banken in der EU seit 2016 gesetzlich verpflichtet, einen Kontowechselservice anzubieten. Das bedeutet: Auf Wunsch übernimmt die neue Bank die Kommunikation mit deinen Zahlungspartnern und lässt Eingänge und Abbuchungen automatisch umleiten.

In der Praxis funktioniert das unterschiedlich gut – hak nach, welche Schritte deine neue Bank übernimmt und welche du selbst erledigen musst. Große Arbeitgeber und Streamingdienste reagieren meistens schnell, bei kleineren Gläubigern kann es etwas länger dauern.

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Konto kündigen: Was du wissen musst

Willst du dein altes Konto loswerden, ist das meistens unkompliziert. Beim konto kündigen gilt: Prüf zunächst, ob alle laufenden Daueraufträge und Lastschriften auf dein neues Konto umgezogen sind. Dann kündigst du schriftlich oder – je nach Bank – über das Online-Banking. Eine Kündigungsfrist gibt es bei Girokonten in der Regel nicht, sofern kein Dispoguthaben ausstehend ist.

Denk auch daran, alle Zahlungspartner aktiv zu informieren, falls der automatische Kontowechselservice das nicht vollständig übernommen hat. Energieanbieter, Vermieter, Versicherungen – die brauchen alle deine neue IBAN.


Direktbank oder Filialbank – was passt zu dir?

Die Wahl zwischen Direktbank und Filialbank hängt davon ab, was dir wichtig ist:

Direktbank (z. B. ING, DKB, comdirect): Meist kostenlos oder günstig, gute Apps, aber kein Filialnetz. Support läuft per Telefon, Chat oder E-Mail.

Filialbank (z. B. Sparkasse, Volksbank, Deutsche Bank): Persönliche Beratung vor Ort, aber häufig mit Kontoführungsgebühren. Für Menschen, die hin und wieder einen Ansprechpartner in der Nähe wollen, kann das dennoch sinnvoll sein.

Neobanken (z. B. N26, Revolut): Rein digital, oft starke App-Features und Auslandsnutzung ohne Extragebühren. Dafür manchmal mit eingeschränktem Service und weniger Produkten.

Für die meisten Menschen – besonders wenn du digital affin bist und kein Beratungsbedarf in der Filiale hast – sind kostenlose Direktbanken die beste Wahl. Allerdings lohnt sich der Vergleich, weil die Konditionen 2026 stark variieren.


FAQ: Häufige Fragen zum Girokonto

Brauche ich unbedingt ein Girokonto? In Deutschland de facto ja. Ohne Girokonto bekommst du kein Gehalt, kannst keine Miete überweisen und kommst bei vielen Verträgen nicht weit. Gesetzlich gibt es seit 2016 ein Recht auf ein Basiskonto für jeden – unabhängig von Bonität oder Schufa-Eintrag.

Was ist der Unterschied zwischen Girokonto und Tagesgeldkonto? Das Girokonto ist dein Zahlungskonto – du nutzt es täglich für Ein- und Ausgaben. Das Tagesgeldkonto ist ein Sparkonto mit variablem Zinssatz, täglich verfügbar, aber nicht für den Zahlungsverkehr gedacht. Viele kombinieren beide Konten: Girokonto für den Alltag, Tagesgeld für die Rücklage.

Wie viele Girokonten darf ich haben? So viele du willst. Manche nutzen bewusst zwei Konten: eines für laufende Ausgaben, eines als Pufferkonto für Rücklagen oder bestimmte Sparziele.

Was passiert mit meinem Konto, wenn ich ins Ausland ziehe? Das hängt von der Bank ab. Manche Direktbanken erlauben die Weiternutzung, wenn du eine ausländische Adresse angibst. Andere kündigen das Konto, wenn du keine deutsche Meldeadresse mehr hast. Frag vor dem Umzug direkt bei deiner Bank nach.

Ist mein Geld auf dem Girokonto sicher? Ja – bis 100.000€ pro Person und Bank greift in Deutschland und der gesamten EU die gesetzliche Einlagensicherung. Darüber hinaus bieten viele Banken freiwillige Sicherungssysteme an, die noch höhere Beträge absichern.