Wer in Deutschland ernsthaft mit dem Investieren anfangen will, stößt früher oder später auf YouTube. Und das aus gutem Grund: Die deutschsprachige Finanz-Community auf der Plattform ist in den letzten Jahren enorm gewachsen und bietet inzwischen für jeden Wissensstand die passenden Inhalte – vom ersten ETF-Sparplan bis zur Einzelaktienanalyse.
Allerdings ist nicht jeder Kanal gleichwertig. Manche erklären wirklich, andere unterhalten vor allem, und einige wenige laden primär dazu ein, teure Kurse oder Produkte zu kaufen. Wir haben uns die relevantesten deutschen Finanz-YouTuber angeschaut und erklären dir, wer was kann und für wen sich welcher Kanal wirklich lohnt.
Hier findest Du die 100 aktuellsten Videos der besten YouTubern Deutschlands im Bereich Geldanlage, Börse & Finanzen. Die top 100 Blog-Beiträge und Audios findest Du in den Bereichen Finanzblog News und Podcast Finanzen. Nach dem Feed, findest Du mehr zu den besten Finanz-YouTuber Deutschlands.
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Finanzfluss
Thomas Kehl hat mit Finanzfluss den mit Abstand größten deutschsprachigen Finanzkanal aufgebaut – inzwischen mit über 2,5 Millionen Abonnenten. Was den Kanal so erfolgreich macht: Es geht nie darum, clever zu klingen, sondern darum, verständlich zu sein.
Komplexe Themen wie Abgeltungssteuer, ETF-Rebalancing oder der Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Fonds werden so erklärt, dass man sie danach wirklich verstanden hat – und nicht nur das Gefühl hat, mitgekommen zu sein. Der Kanal ist deshalb sowohl für absolute Einsteiger als auch für Leute geeignet, die ihr Finanzwissen gezielt vertiefen wollen.
Dabei ist Finanzfluss kein reiner YouTube-Kanal mehr, sondern ein Ökosystem: ETF-Sparplanrechner, Depot-Vergleiche und ausführliche Ratgeber auf der Website ergänzen die Videos sinnvoll.
💡 Das solltest du wissen
Finanzfluss monetarisiert über Affiliate-Links in Depot- und Kontenvergleichen. Das ist transparent kommuniziert und beeinträchtigt die inhaltliche Qualität nicht erkennbar – aber gut zu wissen.
Für wen geeignet: Einsteiger und alle, die passiv in ETFs investieren wollen. Einzelaktien-Strategen finden hier weniger.
Finanztip
Saidi Sulilatu und sein Team bei Finanztip haben eine klare Mission, die den Kanal von fast allen anderen unterscheidet: Der Kanal ist gemeinnützig, monetarisiert seine Videos nicht und lehnt bezahlte Kooperationen ab. Neue Videos erscheinen inzwischen dreimal pro Woche – mittwochs, donnerstags und sonntags, ergänzt durch tägliche Shorts und monatliche Livestreams.
Thematisch ist Finanztip breiter aufgestellt als die meisten anderen Kanäle. Neben Geldanlage und ETFs geht es regelmäßig um Versicherungen, Strom- und Gasverträge, Immobilien und Steuern. Wer sich fragt, warum Finanztip “auch über Strom redet”, versteht schnell die Logik dahinter: Finanzielle Intelligenz zeigt sich nicht nur beim Investieren, sondern bei allen Alltagsentscheidungen, bei denen Geld eine Rolle spielt.
Der Nachteil: Wer schon fortgeschrittener ist und tiefgehendere Aktienanalysen oder Trading-Inhalte sucht, ist hier falsch.
Für wen geeignet: Einsteiger, die verlässliche und werbefreie Informationen wollen – besonders stark bei Versicherungen und Alltags-Finanzthemen.
Aktien mit Kopf
Kolja Barghoorn war einer der Pioniere der deutschen Finanz-YouTube-Szene – sein Kanal existiert seit 2013, als das Thema noch eine echte Nische war. Mit inzwischen über 350.000 Abonnenten ist er einer der größten unabhängigen Finanzkanäle in Deutschland.
Die Stärke von Aktien mit Kopf liegt in der Psychologie des Investierens. Kolja geht konsequent der Frage nach, warum Anleger an der Börse emotional entscheiden, obwohl rationales Handeln langfristig vorteilhafter wäre – und wie man das ändern kann. Sein Ansatz: keine Wundermittel, kein schnelles Geld, sondern eigenverantwortliches Investieren mit klarem Kopf.
⚠️ Wichtiger Hinweis
Kolja Barghoorn hat seinen Kanal in den letzten Jahren zunehmend auch für politische Kommentare genutzt, die deutlich über Finanzthemen hinausgehen. Wer ausschließlich Finanzinhalte sucht, sollte das im Blick behalten.
Für wen geeignet: Anleger, die sich intensiv mit der eigenen Investmentpsychologie auseinandersetzen wollen. Guter Einstieg für langfristig orientierte Einzelaktien-Investoren.
Mission Money
Mission Money ist kein klassischer Bildungskanal, sondern lebt von Interviews. Matthias Dworak und Peter Bloed, beide Wirtschaftsredakteure bei FOCUS MONEY, befragen jede Woche Finanz- und Wirtschaftsexperten – von Fondsmanagern über Unternehmer bis zu Ökonomen. Rund 300.000 Menschen schauen dabei zu.
Der Wert des Kanals liegt in der Breite der Perspektiven. Wer ausschließlich Saidi Sulilatu oder Thomas Kehl schaut, bekommt zwangsläufig einen bestimmten Blickwinkel auf das Investieren. Mission Money bringt dagegen gezielt auch Menschen vor die Kamera, die andere Meinungen vertreten – durchaus auch solche, die man kritisch bewerten darf.
Zu beachten ist aber: Die Interviewgäste bringen teils eigene Interessen mit. Mission Money ist kein gemeinnütziges Bildungsprojekt, sondern ein FOCUS-Produkt. Das schränkt die Objektivität an manchen Stellen ein.
Für wen geeignet: Leute, die bereits ein Grundverständnis haben und verschiedene Investmentperspektiven kennenlernen wollen. Weniger geeignet als Einstieg von Null.
Versicherungen mit Kopf (Bastian Kunkel)
Versicherungen sind das Thema, das die meisten Menschen am liebsten ignorieren – und das sie am häufigsten Geld kostet. Bastian Kunkel hat genau diese Lücke gefüllt: Sein Kanal feierte im April 2026 zehnjähriges Jubiläum, hat seitdem über 1.300 Videos veröffentlicht, mehr als 20 Millionen Aufrufe erzielt und zählt inzwischen über 124.000 YouTube-Abonnenten.
Was Bastian von vielen anderen unterscheidet: Er ist tatsächlich Versicherungsmakler und hat einen Fachkaufmann-Abschluss sowie einen Betriebswirtschafts-Studienabschluss im Gepäck. Er erklärt nicht nur, was eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist, sondern auch warum bestimmte Klauseln in den Bedingungen entscheidend sind und welche Anbieter im Leistungsfall tatsächlich zahlen.
💡 Interessenkonflikt transparent
Als Versicherungsmakler verdient Bastian Kunkel Provisionen, wenn er Versicherungen vermittelt. Das ist transparent kommuniziert. Die Qualität der Inhalte ist dennoch überdurchschnittlich – er klärt auch darüber auf, welche Versicherungen die meisten Menschen nicht brauchen.
Für wen geeignet: Jeder, der seine Versicherungssituation wirklich verstehen will. Unverzichtbar beim ersten Gehaltsanstieg oder vor großen Lebensentscheidungen wie Selbstständigkeit oder Familiengründung.
Erichsen (Lars Erichsen)
Lars Erichsen ist seit 25 Jahren hauptberuflich an den Finanzmärkten aktiv – das unterscheidet ihn von vielen YouTubern, die ihr Wissen vor allem aus Büchern und anderen YouTube-Videos beziehen. Sein Kanal deckt ein breites Spektrum ab: Aktien, ETFs, Gold, Silber und Kryptowährungen. Charttechnische Analyse spielt dabei eine wichtige Rolle neben der Fundamentalanalyse.
Zu beachten ist aber, dass Erichsen auch Börsenbriefe und Trading-Produkte verkauft. Das ist kein Fehler an sich – sollte aber bei der Einordnung seiner Empfehlungen bedacht werden. Der Kanal eignet sich weniger für Einsteiger, die grundlegende ETF-Konzepte lernen wollen.
Für wen geeignet: Anleger mit Erfahrung, die Markteinschätzungen und charttechnische Analysen neben der eigenen Recherche nutzen wollen.
Aktienfinder (Torsten Tiedt)
Wer in Einzelaktien investiert und dabei auf Fundamentaldaten setzt, kommt am Aktienfinder kaum vorbei. Torsten Tiedt hat nicht nur einen YouTube-Kanal mit rund 70.000 Abonnenten aufgebaut, sondern auch ein eigenes Analyse-Tool entwickelt, das Dividendenentwicklungen, Gewinnwachstum und Bewertungskennzahlen visualisiert.
Die Videos sind datengetrieben und konkret: Kein Rumreden um den heißen Brei, sondern direkte Zahlenarbeit am Unternehmen. Das macht den Kanal für Einsteiger manchmal schwer zugänglich, ist aber für fortgeschrittene Dividenden- und Qualitätsinvestoren genau das Richtige.
🔥 Das Tool lohnt sich
Das Aktienfinder-Tool auf der Website geht weit über das hinaus, was die Videos zeigen. Wer regelmäßig Einzelaktien analysiert, sollte sich das kostenpflichtige Abo zumindest probeweise ansehen.
Für wen geeignet: Fortgeschrittene Einzelaktien-Investoren mit Fokus auf Dividenden und Fundamentalanalyse.
echtgeld.tv (Tobias Kramer & Christian W. Röhl)
Das Konzept von echtgeld.tv ist einzigartig in der deutschsprachigen YouTube-Landschaft: Tobias Kramer und Christian W. Röhl stellen in Livestreams echte Investmententscheidungen mit echtem Geld vor – und lassen die Zuschauer in Echtzeit mitentscheiden, ob investiert wird oder nicht. Der Kanal hat rund 65.000 Abonnenten, hat aber eine besonders aktive und loyale Community.
Das Format funktioniert, weil es den Lerneffekt maximiert: Statt fertige Meinungen zu präsentieren, sieht man den Entscheidungsprozess live. Gleichzeitig ist das Format auch ein Risiko – Live-Investmententscheidungen sind nicht für jeden Zuschauer geeignet.
Für wen geeignet: Anleger, die aktiv mit Einzelaktien investieren und den Entscheidungsprozess erfahrener Investoren in Echtzeit beobachten wollen.
Welcher Kanal passt zu dir?
Das hängt weniger von deinem Wissenstand ab als von deiner Strategie und deinen Zielen.
Wer passiv investieren will – also monatlich einen ETF-Sparplan besparen und sich nicht täglich mit den Märkten beschäftigen will – braucht eigentlich nur Finanzfluss und Finanztip. Diese beiden Kanäle decken 95 % der relevanten Fragen ab.
Wer aktiv in Einzelaktien investiert, braucht andere Quellen. Hier sind Aktienfinder und echtgeld.tv sinnvolle Ergänzungen – plus eigene Recherche, die kein YouTuber ersetzen kann.
Wer erst am Anfang steht und sich noch nicht sicher ist, ob ETFs, Einzelaktien oder beides die richtige Strategie ist, sollte genau in dieser Reihenfolge vorgehen: erst Finanzfluss und Finanztip für die Grundlagen, dann gezielt andere Kanäle hinzunehmen, wenn eine Richtung klar ist.
💭 Unsere ehrliche Einschätzung
Mehrere Kanäle gleichzeitig zu konsumieren verlangsamt in der Regel den Fortschritt. Besser: einen oder zwei Kanäle konsequent durcharbeiten und das Gelernte umsetzen. Wissen, das nicht zu Handeln führt, kostet Zeit und Rendite.
Was gute Finanz-YouTuber von problematischen unterscheidet
Je mehr Menschen Finanz-YouTube schauen, desto wichtiger wird die Fähigkeit, gute Quellen von fragwürdigen zu unterscheiden. Ein paar Kriterien, die sich in der Praxis bewährt haben:
Verlässliche Kanäle sind erkennbar an:
- Transparenz über Einnahmen, Affiliate-Links und Kooperationen
- Klare Trennung zwischen Meinung und Fakten
- Keine Versprechen über konkrete Renditen oder “sichere” Investments
- Aktive Nennung von Risiken, nicht nur von Chancen
- Kein Druck, schnell zu handeln
Vorsicht ist angebracht, wenn:
- Kurse oder Mentoring-Programme aktiv verkauft werden, ohne klare Trennung zum Kanal-Content
- Kryptowährungen oder spekulative Assets als risikoarme Investments dargestellt werden
- Clickbait-Titel Panik oder irrationalen Optimismus auslösen (“CRASH kommt SOFORT” oder “Diese Aktie verhundertfacht sich”)
- Sponsorings nicht erkennbar als solche gekennzeichnet sind
⚠️ Wichtiger Hinweis
Keiner der vorgestellten YouTuber ist zugelassener Anlageberater. Alle Inhalte – auch die besten – ersetzen keine individuelle Beratung, wenn es um wesentliche Finanzentscheidungen geht.
FAQ
Welcher Finanz-YouTuber ist am besten für Einsteiger?
Finanzfluss und Finanztip sind die erste Anlaufstelle. Beide setzen kein Vorwissen voraus, erklären Grundkonzepte klar und sind inhaltlich verlässlich. Wer konkret wissen will, wie man ein Depot eröffnet und einen ETF-Sparplan einrichtet, findet bei Finanzfluss die ausführlichsten Schritt-für-Schritt-Anleitungen.
Sind Finanz-YouTuber unabhängig?
Meistens nur teilweise. Fast alle größeren Kanäle monetarisieren über Affiliate-Links – das bedeutet, sie erhalten eine Provision, wenn jemand über ihre Links ein Depot eröffnet oder ein Konto anlegt. Das muss nicht die Qualität beeinträchtigen, aber es erklärt, warum bestimmte Broker häufiger empfohlen werden als andere. Finanztip ist die Ausnahme: Der Kanal ist gemeinnützig und lehnt Kooperationen explizit ab.
Kann ich meine Geldanlage ausschließlich auf YouTube-Empfehlungen basieren?
Nein. YouTube-Kanäle liefern Finanzbildung, keine individuelle Anlageberatung. Was für eine Person mit einem stabilen Einkommen, keiner Familie und einem langen Anlagehorizont sinnvoll ist, kann für jemanden anderen in einer anderen Lebenssituation komplett unpassend sein. Für wesentliche Entscheidungen – Altersvorsorge, größere Einmalbeträge, Immobilienfinanzierung – lohnt sich eine unabhängige Beratung durch einen Honorarberater.
Warum empfehlen so viele Kanäle denselben ETF?
Weil der MSCI World und der FTSE All-World tatsächlich für die meisten Privatanleger eine vernünftige Basis sind. Das ist kein abgesprochenes Marketing, sondern spiegelt den wissenschaftlichen Konsens zu passivem, breit gestreuten Investieren wider. Wer das grundlegend anzweifelt, sollte sich die Ausgangslage genauer ansehen – die meisten aktiven Fonds und Stockpicker schaffen es langfristig nicht, diese ETFs zu schlagen.
Kann man durch YouTube-Videos wirklich reich werden?
Das YouTube-Lernen macht dich nicht reich – es hilft dir, keine unnötigen Fehler zu machen. Der eigentliche Hebel ist das konsequente, frühe und regelmäßige Investieren. Wer mit 25 Jahren monatlich 200 Euro in einen breit gestreuten ETF investiert und dabei bleibt, hat mit 65 Jahren bei einer durchschnittlichen Rendite von 7 % pro Jahr etwa 525.000 Euro angespart. Das ist kein YouTube-Versprechen, sondern Zinseszins-Mathematik.
