Zigarren als Sammelobjekt- und Wertanlage – Eine gute Idee?

Echten Aficionados gelten Zigarren als exquisites Genussmittel und Statussymbol. Die teuersten Zigarren gehören dabei zu den exklusivsten Rauchwaren auf dem Angesicht der Erde. ​Ist das, was eigentlich dafür gemacht ist in Rauch aufzugehen, eine interessante Investitionsmöglichkeit?​ Lass uns heute mal etwas genauer hinschauen.

Zigarren als Wertanlage

Zigarren als Wertanlage

Allgemeine Hintergrundinformationen zu Zigarren

Zigarren sind eine der ältesten Formen des Tabakkonsums. Ursprünglich wuchs Tabak nur in Amerika: Die Pflanze war vor der Entdeckung Amerikas nur unter den Ureinwohnern bekannt.

Diese hatten bereits diverse Konsumformen entwickelt, die sich bis heute gehalten haben. So wurde von den Ureinwohnern Schnupftabak hergestellt.

Ebenso wurde Kautabak verwendet. Jedoch wurde der Tabak auch geraucht. Und zwar indem die Blätter zusammengerollt wurden und so eine Urform der Zigarre ergaben.

Als die Spanier 1492 amerikanischen Boden betraten, entdeckten sie ebenso den Tabak. Dieser gehörte zu den Gaben, mit denen Kolumbus von den Einheimischen beschenkt wurde.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Tabak zu einem wichtigen Handelsgut. Von da an entwickelte sich die Rauchkultur weltweit. Und mit ihr ein über die Jahrhunderte gewachsener Markt.

Formsache – Formate und Füllung

Das klassische Zigarren Format, im Sinne durchschnittlicher Proportionen, ist die Corona. Nicht ganz unbekannt sind auch die kürzeren aber weit dickeren Robustos. Demgegenüber schlank und länglich präsentieren sich die Panetellas.

Und wer hat nicht schon einmal diese etwas exotischeren Zigarren gesehen, die genauso geformt sind, wie sie heißen: die Torpedos? Oder darf es etwas imposanter sein? Zigarren der Formate Churchill, Lonsdale oder Rothschild bringen rund 90 Minuten Rauchgenuss auf die Waage!

Womit wir auch schon beim Punkt wären. Es gibt so viele Formate, weil diese entscheidenden Einfluss auf die Rauchdauer und Raucheigenschaften haben. Das gilt auch für die Art des “Fillers“ - der Tabakfüllung. Die im Übrigen auch ein sehr wichtiger Preisindikator ist.

So bestehen Shortfiller aus gerissenem und geschnittenem Tabak. Während Shortfiller recht schwierig von Hand herzustellen sind (nur wenige traditionsreiche Manufakturen machen sich noch diese Mühe), so sind sie im Gegenzug ideal für maschinelle Massenfertigung.

Besonders günstige Zigarren für jedermann (wie hierzulande beispielsweise Handelsgold oder Tropenschatz), die man teilweise sogar in Supermärkten und an Tankstellen erhalten kann, sind immer Shortfiller.

Demgegenüber stehen die Longfiller. Diese lassen sich ausschließlich von Hand herstellen. Das Rollen ganzer Blätter ist etwas, was maschinell nicht fertiggebracht wird. Longfiller sind demnach immer Handarbeit und bieten ein anderes Brandverhalten.

Sie brennen langsamer ab und lassen die Komposition überraschender Geschmacksübergänge zu. Premium Zigarren (also alles ab einem Stückpreis von 10 Euro aufwärts), sind immer Longfiller.

Eine Kombination aus Longfiller und Shortfiller wird Mediumfiller oder auch Sandwichfiller genannt.

Wo wird Zigarrentabak heute angebaut?

Zigarrentabak und Zigarren kommen vor allem aus folgenden Ländern:

  • Kuba
  • Honduras
  • Dominikanische Republik
  • Nicaragua
  • Panama
  • Costa Rica
  • Mexiko
  • Brasilien
  • Indonesien (genauer: Sumatra und Java)
  • Philippinen
  • Kamerun
  • Deutschland (Tatsache – es gibt einen deutsche Zigarrentabak, den Geudertheimer Tabak)
  • Niederlande (nur Zigarrenherstellung)
  • Belgien (nur Zigarrenherstellung)

Zigarren werden meist aus einem “Blend“ von Tabaksorten unterschiedlicher Herkunft hergestellt. Allerdings gibt es auch Zigarren, bei denen alle drei Komponenten – das Deckblatt, das Umblatt und der Filler – aus demselben Land kommen.

Diese bezeichnet man als “Puros“. Kubanische Zigarren sind immer Puros. Daher auch ihr klar erkennbares Geschmacksprofil. Zumindest bei den besseren Sorten.

Kubaner sind den Meisten der Inbegriff der exklusiven Zigarre. Und was limitierte Auflagen der kubanischen Top Marken anbelangt, mag das noch so sein.

Doch unter Kennern hat der Ruf der Kubaner mittlerweile etwas gelitten. Zum einen sind die meisten kubanischen Zigarren nicht mehr so gut abgelagert wie früher.

Durch die riesige internationale Nachfrage und tendenziell schwächere Ernten geht die Ware viel früher raus, wodurch viele Zigarren recht “grün“  schmecken (hoher Nikotingehalt, rustikaler Geschmack).

Hinzu kommt die Unbeständigkeit kubanischer Qualitätskontrollen, die bisweilen für Ungemach sorgt. Wer hunderte von Euros für eine Kiste hochklassiger Kubaner ausgibt, dem verdirbt jede schlecht abbrennende Zigarre die Laune, da schlechter Abbrand (vor allem Tunnelbrand) den Geschmack sehr negativ beeinflussen kann.

Insgesamt haben Topzigarren aus Nicaragua, Honduras und der Dominikanischen Republik immens an Ansehen gewonnen und gelten unter Kennern den Kubanern als nah, ebenbürtig oder gar besser (abhängig davon, wen man fragt).

Vorsicht vor gefälschten Zigarren

Sobald etwas einen gewissen Wert und Prestige innehat, dauert es nicht lange, bis sich jemand findet, um Fälschungen zu produzieren. Touristen sollten unter anderem auch auf Kuba aufpassen.

Auch als ich Kuba besucht habe und in der Hauptstadt Havanna mit einer Reisegruppe unterwegs war, wurde an vielen Ecken der Stadt versucht, Plagiate zu verkaufen.

Selbst die Produzenten warnten uns bei der Fabrikbesichtigung davor, augenscheinlich Originalware nicht auf der Straße bzw. in einem Hinterhof zu kaufen. Denn der Zweitmarkt für kubanische Top Zigarren ist dementsprechend überflutet mit gefälschter Ware.

Da helfen auch die Beteuerungen nichts, dass sie von einem Onkel oder Bekannten aus der Fabrik kommen. Daher gilt: Immer nur von verifizierten Händlern kaufen und sich mit sämtlichen Produktmerkmalen vertraut machen. Kennt man diese, sind die meisten Fälschungen nämlich sehr schnell enttarnt.

Die Preisspanne bei Zigarren

Die Preisspanne bei Zigarren ist gewaltig! Von maschineller Shortfiller Massenware im Corona Format (Stückpreis 30 bis 80 Cent) über Cohiba Behikes BHK 56 (einer der teuersten serienmäßig produzierten Zigarren: Stückpreis knapp 50 Euro/Kistenpreis: knapp 500).

Weiter über teure Sondereditionen wie die Gurkha Special Edition HMR (Stückpreis: 1.200 Euro/Kistenpreis: über 23.000  Euro) bis hin zu Kuriositäten, wie eine von Winston Churchill gerauchte Zigarre (realisierter Auktionswert: rund 6.000 Euro), ist alles drin.

Die teuerste jemals verkaufte Zigarrenkiste wechselte für unfassbare 658.000 Dollar den Besitzer!

Was macht gewisse Zigarren so teuer?

Im Grunde verhalten sich Zigarren als Geldanlage nicht anders als erlesene, seltene Weine. Künstliche Verknappung durch zum Teil extrem limitierte Auflagen, aufwändige Herstellung aus mehrjährig gelagertem Tabak und Prestige sind die wichtigen Faktoren.

Dazu kommt dann der Faktor Zeit. Denn nach und nach verknappen sich diese Zigarren immer mehr.

Teils durch Sammler, die nicht verkaufswillig sind und teils dadurch, dass sie geraucht werden. Das Ganze kann sogar eine historische Dimension annehmen.

Beispielsweise sind Zigarren der Marken Dunhill und Davidoff, die noch aus kubanischer Fertigung sind, sehr wertvoll, da diese seit den frühen 90ern nicht mehr dort produziert werden.

Alte kubanische Zigarren (insbesondere versiegelte Kisten), die noch aus der Zeit vor dem Embargo stammen, sind ebenfalls sehr wertvoll.

Ein Faktor ist generell die Verpackung, die durch erlesene Holzkisten, aufwändige Bauchbinden und dergleichen den Preis in die Höhe treiben kann. Das Auge raucht bei vielen Zigarrenrauchern nämlich mit.

Welches sind die Top Marken?

Top Marken, von denen viele auch regelmäßig Sondereditionen produzieren, sind:

  • Ghurka (für aufwändige Verpackungen und stark limitierte Editionen bekannt)
  • Cohiba (die wohl bekannteste Marke überhaupt)
  • Partagas (eine der ältesten Marken Kubas)
  • Romeo y Julieta (noch ein kubanisches Schwergewicht)
  • Arturo Fuente (einer der renommierten Hersteller außerhalb Kubas)
  • Padron (eine der bekanntesten Topmarken, die durch Exilkubaner begründet wurde)
  • Bolivar (kräftige Kubaner)
  • H. Upmann (kubanische Traditionsmarke, von deutschen Auswanderern begründet)
  • Montecristo (nach Cohiba die wohl bekannteste Marke Kubas)
  • Davidoff (viele Sondereditionen, Top Qualitätskontrolle und Markenimage wie Donnerhall)
  • Bossner (immer wieder Produktlinien mit hohem Exklusivitätsanspruch)
  • Zino (Untermarke von Davidoff)

Welche Margen sind realistisch worauf kommt es an?

Der Erwerb von Zigarren als Investition erfordert eine angemessene Menge an Kapital.

Denn wie bei den meisten Sammlerstücken ist der größte Preisanstieg am oberen Ende des Sektors zu sehen. Zigarrenhandel ist ganz sicher nichts für Day Trader.

Du musst sie eher als langfristige, aber mit etwas Wissen und gutem Timing, sehr profitable Investition sehen. Wichtig ist dabei, die richtigen Adressen ins Auge zu fassen.

Hersteller-Messen, renommierte Auktionshäuser und exklusive Händler sind sicherlich die besten Adressen, um an frischgebackene Sondereditionen geringer Auflagen zu kommen.

Diese sind schnell vergriffen und werden meist vor allem da angeboten, wo sich die entsprechenden Käufer finden. Allerdings gibt es durchaus diverse Online-Händler, bei denen sehr hochpreise Zigarren einzeln oder in Kisten angeboten werden.

Dabei solltest du dich vorrangig an die Adressen bekannter und renommierter Shops halten, um nicht unseriösen Angeboten zum Opfer zu fallen. Insbesondere bei kubanischen Zigarren, sollte es sich um einen lizensierten Habanos Händler handeln.

Sammler und Genießer – zwei verwobene und doch unterschiedliche Märkte

Der Vorteil an diesem Markt, besteht darin, dass Zigarrenraucher, insbesondere jene mit erlesenem Geschmack, einen kleinen Sammler in sich haben. Zigarren werden nicht wie Zigaretten bedarfsmäßig gekauft und konsumiert.

Stattdessen bauen sich Genießer einen Vorrat exklusiver Zigarren auf und lagern sie, um sie zu gegebener Zeit genießen zu können. Gleichzeitig gibt es Sammler, denen es nicht darum geht, eine Zigarre rauchen zu können.

Für sie sind alte Zigarren reine Sammelobjekte! Längst unrauchbare Zigarren alter historischer Marken können selbst als Einzelstücke um die 500 Dollar erzielen. Eine kontinuierliche Nachfrage, ist somit gesichert.

Der internationale Sammlermarkt für Zigarren ist relativ jung und verhält sich wesentlich wie jener für seltene Weine. In jüngster Zeit haben sich die weltweiten Veränderungen des Wohlstands auch hier bemerkbar gemacht.

Die größten Auktionen finden mittlerweile vor allem beim fernöstlichen Klientel Interesse. Chinas wachsende Mittel- und Oberschicht steht durchaus auch unkonventionellen Investitionen interessiert gegenüber. Insbesondere wenn diese Wohlstand signalisieren – so wie Zigarren und Wein.

Die Lagerung von Zigarren ist von entscheidender Bedeutung

Da vor allem der Faktor Zeit für die Wertsteigerung bei Zigarren verantwortlich ist, ist eine sachgerechte Lagerung der Zigarren unabdingbar.

Dieser ist wie gesagt eben nicht damit genüge getan, die Zigarren einfach nur “trocken“ im Schrank zu lagern. Longfiller Zigarren brauchen eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 67% und 72%. Und eine Temperatur zwischen 16 und 23 Grad.

Vor allem die relative Luftfeuchtigkeit sollte in diesem Rahmen gehalten werden. Denn zu wenig Luftfeuchtigkeit trocknet die Zigarren aus und macht sie unwiederbringlich ungenießbar. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit birgt hingegen die Gefahr, dass sich Schimmel bildet.

Von besonderer Wichtigkeit (insbesondere bei der langfristigen Lagerung) ist eine kontinuierliche Stabilität der Lagerungsbedingungen.

Wenn die Luftfeuchtigkeit dazu neigt, rauf und runter zu gehen, kann es zu Schäden am Deckblatt und am Brandende der Zigarre kommen, da diese durch abwechselnde Ausdehnung und Kontraktion einreißen.

Dem muss insofern Beachtung geschenkt werden, da die relative Luftfeuchtigkeit mit der Temperatur korreliert. Allerdings gibt es gute Lösungen, wie Boveda Packs oder automatische Befeuchtungssysteme, die das Leben extrem vereinfachen.

Sämtliche Befeuchtung sollte übrigens auf destilliertem Wasser beruhen. Ansonsten droht Schimmel!

Wie lagerfähig sind Zigarren?

Zigarren können überaus lagerfähig sein. Abgesehen von ihrem möglichen Wert als Sammlerstücke, liegt darin ihr Potenzial zur Wertsteigerung. Denn Zigarren reifen nach! Jedoch verhält es sich hier abermals wie beim Wein.

So wie längst nicht jeder Wein durch Lagerung besser wird und manche Weine schon nach ein paar Jahren futsch sein können, während andere noch viele Jahre der weiteren Ausreifung vor sich haben, so verhält es sich auch bei Zigarren.

Es gibt durchaus Zigarren, die nach zwanzig Jahren erst ihren Zenit erklimmen. Wieder andere werden nie besser sein als ein, zwei Jahre nach ihrer Herstellung.

Bei der Reifung von Zigarren (auch als Aging bezeichnet) handelt es sich um keine präzise Wissenschaft. Vieles ist nur durch Erfahrungswerte überliefert. Und gemessen an der Langfristigkeit der Zigarrenreifung, kann jeder zeitlebens nur sehr limitierte Erfahrungen sammeln. Folgendes ist jedoch gewiss:

  • Weniger ist mehr – Für die langfristige Reifung sollten Zigarren optimaler Weise etwas weniger feucht und eher kühl gelagert werden, als es für die standardmäßige Lagerung gilt (beispielsweise 65% und 18 Grad)
  • Taningehalt und Stärke – Wie Wein können Zigarren Tanine enthalten. Und ebenso wie beim Wein sind diese der langfristigen Reifung zuträglich. Man erkennt sie am trocknen Mundgefühl, dass sie zu hinterlassen pflegen. Überdies sind besonders geschmacklich kräftige, “starke“ (Nikotingehalt) Zigarren am besten zur langfristigen Reifung geeignet. Tatsächlich ist Nikotin ein Abbauprodukt, welches während der Reifung vollständig verschwindet – und ggf. besonderen Geschmackserlebnissen Raum zur Entfaltung bietet.
  • Limitierte Auflagen sind oft schon vorgereift – Zu beachten ist, dass limitierte Auflagen häufig aus Tabak gefertigt werden, der seinerseits im Tabakballen schon einige Jahre abgelagert wurde. Weil Reifung im Tabakballen (also die gestapelten, intakten Blätter) wesentlich dynamischer abläuft als beim fertigen Produkt, verkürzt sich das Potenzial zur weiteren Reifung entsprechender Zigarren bisweilen signifikant. Das mag für Sammler auf lange Sicht keine Rolle spielen. Für Genießer hingegen offensichtlich schon.
  • Kubaner müssen fast immer nachreifen – Kubanische Top-Zigarren verlassen aufgrund der globalen Nachfrage die Fertigungsstätten immer schneller. Sie müssen daher von den Käufern meist selbst entsprechend gelagert werden, um überhaupt erst interessant zu werden.

Fazit

Obacht, Zigarren sind wie alle anderen Rauchwaren nicht nur als Genussmittel ungesund, sondern auch was Investitionen angeht nicht wirklich gut kalkulierbar.

​Es hilft ganz sicher, wenn Du Bereitschaft mitbringst, dich mit Zigarren als Handelsgut vertraut zu machen. Denn Kenntnisse zu den Produkten​ ​können der Schlüssel zum Erfolg sein. 

Ansonsten gilt auch hier, was bei langfristigen Investitionen im Allgemeinen Gültigkeit hat: Geduld ist eine Tugend. Wer sie besitzt, wird eher profitieren, als der Kurzfristanleger. Insbesondere bei exotischen Geldanlagen wie dieser.

Grundsätzlich bleibt natürlich der Trost, dass im Falle einer Fehlinvestition noch immer die Zigarre als Trost an sich bleibt. Vor dem Hintergrund der mit dem Genuss einhergehenden gesundheitlichen Risiken, dann aber doch eher keine Alternative.​

Wer es riskant mag, der prüft für sich das Daytrading, Bitcoin-Investitionen oder Forex-Spekulationen. Wer es eher konservativ mag und über einen längeren Zeitraum für das Alter vorsorgen möchte, ist bei Aktien und Exchange Traded Funds ganz sicher besser aufgehoben.

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