2

Börsenfilme – Anleitungen zum Reich werden?

Als Louis Le Prince, der Erfinder der Filmkamera, im Jahr 1888 den ersten echten Film drehte, hat er sich wohl kaum Träumen lassen, was später einmal daraus werden würde. Allein schon das Leben von Le Prince wäre einen Börsenfilm wert gewesen.

Der schon als Kind von Daguerre persönlich in die Technik der Fotografie eingeführte Franzose Le Prince studierte in Leipzig, arbeitete in England und wurde später US-Bürger.

Zwei Jahre nach seiner bahnbrechenden Erfindung verschwand Le Prince auf einer Zugreise in Frankreich spurlos.

Auch seine Kamera war schon früh Teil eines Wirtschaftsdramas, das ebenso Filmreif ist.

Im Jahr 1908 wurde in New York die Motion Picture Patents Company gegründet. 

Federführend dabei war kein geringerer als Thomas Alva Edison, ein knallharter Geschäftsmann, der für die gesamten USA alle Filmpatente hielt, ohne je selbst tatsächlich eine ureigene Erfindung gemacht zu haben.

Die Company besaß ein Oligopol auf Filme, Kameras und Kinos und setzte ihre Rechte durchaus auch mit Schlägertrupps durch.

Das führte dazu, dass sich New Yorker Filmemacher weit von der Company absetzten, in einen kleinen Ort in Kalifornien mit Namen Hollywood. Der Rest ist Geschichte.

Im Land des fast lupenreinen Kapitalismus wurden und werden Legenden Realität.

Dazu gehören natürlich die Storys rund um das große Geld. Grundlagen für etliche Börsenfilme, von denen nicht wenige auf wahren Begebenheiten beruhen.

Geschichten vom steilen Karrieren und bitteren Niederlagen rund um Aktien, Optionen, Warentermingeschäften und der Herrschaft des Geldes.

Hier erfährst du mehr über die bedeutendsten Börsenfilme seit den Anfängen des Kinos bis Heute.

Die besten Börsenfilme aller Zeiten

Die besten Börsenfilme aller Zeiten

Auch im Film - Geld regiert die Welt

Natürlich sind Filme über die Börse, über Unternehmer und das liebe Geld hervorragendes Futter für das Publikum.

Wer träumt nicht davon, mit Millionen oder auch Milliarden zu jonglieren und sich schlicht alles leisten zu können, was es an schönem und auserlesenem auf dieser Welt gibt.

Dementsprechend spielen alle Börsenfilme in der Hochfinanz, wobei die Szenerie dem Einkommen der Hauptakteure entspricht. Das war schon im Jahre 1918 so.

Nun zuerst ein paar Börsenfilme, die noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gedreht wurden.

1. Die Börsenkönigin, Premiere 1918

Der allererste Kinofilm, der sogar die Börse im Titel führt, kam aus Deutschland. 

Trotzdem war es eher ein Liebesfilm, denn einer über das große Geld. 

Der Regisseur Edmund Edel verfilmte, mit dem Stummfilm-Star Asta Nielsen in der Hauptrolle, die Geschichte einer Minenbesitzerin, deren Bergwerksaktien fallen und die es geschickt versteht, daraus einen Vorteil zu gewinnen.

2. The Wolf of Wall Street, Premiere 1929

Die moderne Geschichte des Wolfes an der Wallstreet aus dem Jahr 2013 wurde bereits 1929 unter gleichem Titel verfilmt. 

Damals spielte George Bancroft einen Börsenmakler, der mit manipulierten Kupferaktien reich wird und seine Freunde in den Ruin treibt.

Das Jahr 1929 war im Übrigen das Entstehungsjahr der ersten Weltwirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts. 

3. Der große Edison, Premiere 1940

In diesem Börsenfilm wurde das Leben und wirken von Thomas Alva Edison biografisch nachgezeichnet. 

In der Titelrolle spielte Spencer Tracy den Geschäftsmann, der mit seinen Entwicklungen und Firmengründungen vor allem im Segment der Elektrizitätsversorgung für weltweite Furore sorgte und natürlich für Stimmung an den Börsen.

Edison war als Aktionär an vielen Unternehmen beteiligt, so etwa auch an General Electric.

4.Citizen Kane, Premiere 1941

Orson Welles in seiner Glanzrolle als New Yorker Zeitungsmagnat.

Der Schwarz-Weiß-Film beginnt mit dem Tod Kanes in seinem Schloss Xanadu und seinem letzten Wort: „Rosebud“. 

In der folgenden Handlung des Films sucht ein Reporter nach dem Hintergrund für Kanes letztes rätselhaftes Wort und führt dabei in die Vergangenheit des Zeitungsverlegers, der mit seinen Druckwerken Menschen und auch Aktienkurse manipulierte. 

Das Meisterwerk Welles, das zuerst schlechte Kritiken erhielt, wurde später zur Ikone des Kinofilms schlechthin.

Das Vorbild für Citizen Kane war der Verleger William Randolph Hearst. Übrigens war „Rosebud“, das letzte Wort Kanes, ein Holzschlitten, den dieser in der Kindheit zurücklassen musste.

Weiter geht es mit Börsenfilmen, die nach dem Zweiten Weltkrieg gedreht wurden:

5. Die Glücksritter, Premiere 1983

Eddie Murphy spielt einen Obdachlosen, der von zwei erfolgreichen Börsenmaklern aufgrund einer Wette zum Finanzmanager gemacht wird. 

Sein Vorgänger auf dem Posten, gespielt von Dan Aykroyd, verliert alles. 

Letztlich verbünden sich jedoch die beiden und zahlen es den Börsenmaklern zurück, die sie nur als Mittel für ihre Wette missbrauchten.

Am Ende treiben sie die Finanzjongleure mit Orangensaft-Kontrakten in den Ruin.

Eine sehr unterhaltsame und witzige Komödie, die auf einer Kurzgeschichte Mark Twains basiert: „The Million Pound Bank Note“.

6. Wall Street, Premiere 1987

Es ist der Börsenfilm schlechthin, der die glanzvollen, aber auch die dreckigen Seiten des Handels mit Aktien zeigt.

Kritiker nehmen jedoch den Regisseur Oliver Stone dafür in die Verantwortung, das Spiel mit Aktien und damit mit Menschen und deren Schicksal zu sehr von der schönen, der angenehmen Seite zu zeigen.

Michael Douglas ist in Wall Street der Finanzhai Gordon Gekko, der den noch jungen Börsenmakler Bud Fox, gespielt von Charlie Sheen, dazu bringt, Insider-Informationen über das Unternehmen zu besorgen, in dem sein Vater beschäftigt ist. 

Am Ende landen beide, Gekko und Fox, im Gefängnis.

Trotzdem dürfte der Film dank seiner szenischen Perfektion viele junge Menschen eher dazu gebracht haben, selbst auf derartige Weise in das Börsengeschäft einzusteigen.

7. Fegefeuer der Eitelkeiten, Premiere 1990

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Tom Wolfe und wurde von Brain De Palma in Szene gesetzt.

Im Film wie im Buch wird die Lebensweise des erfolgreichen New Yorker Börsenmaklers Sherman McCoy, gespielt von Tom Hanks, skizziert, die gegenüber der „normalen“ Bevölkerung der US-Metropole völlig abgehoben ist.

Allerdings gerät der Finanzmann durch einen eigentlich unbedeutenden Autounfall in die Mühlen sowohl der Justiz wie auch der Politik, die ihn zum Sündenbock einer Gesellschaftsklasse machen, die wie keine andere den Unterschied zwischen Arm und Reich in den USA verdeutlicht. 

Hier das schnelle Geld, unglaublich teure Wohnungen direkt am Central Park und ein ewiger Kreislauf gesellschaftlicher Anlässe, dort ärmliche Mietskasernen voller Menschen ohne Krankenversicherung.

Brain De Palma setzte den Inhalt des Buches mit viel Ironie und Witz um und sparte dabei nicht mit Seitenhieben gegen das US-amerikanische Gesellschafts- und Justizsystem.

8. Das Geld anderer Leute, Premiere 1991

Feindliche Übernahmen sind typische Geschäftspraktiken, um eine Aktiengesellschaft unter seine Kontrolle zu bringen.

Im Film „Das Geld anderer Leute“ spielt Danny DeVito einen sogenannten Corporate Raider, ein auf Unternehmensaufkäufe spezialisierten Finanzmann, um diese anschließend in Teilen oder im Ganzen gewinnbringend zu veräußern. 

In Deutschland wird unter anderem der Begriff Heuschrecke dafür verwendet.

Dem Regisseur Norman Jewison, der auch das Südstaatendrama „In der Hitze der Nacht“ filmisch umsetzte, geht es in dieser Komödie mehr um die Beziehungen zwischen DeVito und der Tochter eines Unternehmers, dessen Firma sein nächstes Übernahmeziel ist.

Und auch Börsenfilme im neuen Jahrtausend dürfen nicht fehlen

9. The Bank, Premiere 2001

In diesem Film, Regie und Drehbuch Robert Connolly, geht es um ein Finanzinstrument, das heute als Robo-Advisor sehr populär ist, damals im Film jedoch missbraucht wurde. 

Es geht um Software, die Börsentrends vorhersagen kann.

Ein Bankmanager stellt einen Mathematiker ein, der eine Software entwickelte, die den Börsenverlauf vorzeichnet. 

Im Film wird die Software genutzt, um Insiderwissen zu erlangen.

10. Enron – The smartest Guys in the Room, Premiere 2005

Der Regisseur Alex Gibney erzählt in dieser Dokumentation die Geschichte von ENRON, einem US-amerikanischen Energieunternehmen, das eine der größten Wirtschaftpleiten in den USA hinlegte. 

Das 1985 gegründete Unternehmen ENRON war für die Manager der Firma bis zur Pleite im Jahr 2001 eine Spielwiese, um sich selbst zu bereichern.

Letztlich kosteten die Bilanzfälschungen, Geldverschiebungen und unternehmerischen Abenteuer mehr als 20.000 Menschen ihre Arbeitsplätze.

Zusätzlich wurde der Rentenfond der Mitarbeiter in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar geplündert. Am Ende beliefen sich die Schulden von ENRON auf rund 30 Milliarden Dollar.

11. Wall Street 2, Premiere 2010

Der zweite Teil des Filmes von Oliver Stone aus dem Jahr 1987 beschäftigt sich mit dem Leben Gordon Gekkos, alias Michael Douglas, nach dessen Haftentlassung und der Zeit der Weltwirtschaftskrise 2007 / 2008. 

Im Gegensatz zum ersten Teil ist die Handlung jedoch mehr auf die familiären Beziehungen zwischen Gekkos Tochter und seinem Schwiegersohn konzentriert.

Natürlich fehlen auch hier nicht die Spannungsmomente, wobei anfangs Gekko als zum Paulus gewandelter Prediger gegen Börsenmanipulationen auftritt, dann in der weiteren Handlung wiederum zum Saulus wird und letztlich doch noch als gut meinender Vater und Großvater Teil eines Happy Ends ist.

12. The Big Short, Premiere 2015

Der Film von Adam McKay beschreibt sehr detailliert die Vorgänge, die in den Jahren 2007 und 2008 zur Weltwirtschaftskrise führten.

Auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt bildete sich eine riesige Blase mit Hypothekenkrediten, die praktisch an jeden vergeben wurden.

Im Film wird gezeigt, dass es sogar möglich war, auf den Namen des eigenen Hundes Kredite aufzunehmen. 

Der Hedgefond-Manager Michael Burry, gespielt von Christian Bale, erkennt die Sachlage und sieht die kommende Finanzkrise voraus.

Er erkennt aber auch die Möglichkeiten und kauft die in sogenannten Credit Default Swaps zusammengefassten Kredite auf, um auf einen Kurseinbruch zu wetten.

Seine Taktik geht auf und am Tag des Börsencrash macht sein Fond 400 % Gewinn.

Trotzdem löst er den Fond auf. Mit Recht, denn in den folgenden Monaten zieht der Crash immer weitere Kreise.

Allerdings zeigt der Film auch, dass die auslösenden Banken wie auch die tragenden Ratingagenturen praktisch ungeschoren davon kommen und mit Steuergeldern gerettet werden. Nur ein einziger Bankmanager muss in Haft.

Allein in den Staaten verlieren in der Folge acht Millionen Menschen ihre Arbeit. Rund sechs Millionen Menschen ihre Häuser.  

Fazit zu den besten Börsenfilmen aller Zeiten

Das gebaren der Finanzhaie, der Banker und der Börsenmakler vom bequemen Fernseh- oder Kinosessel aus zu verfolgen, ist sicher die angenehmste Art in die Welt der Hochfinanz einzutauchen.

Die Faszination um das Spiel mit dem großen Geld lässt sich ohne Ausfallrisiko erleben. Es ist aber auch oft ein zu schöner Schein, der dem Zuseher vorgespielt wird.

Natürlich ist gerade Hollywood darauf aus, Börsenfilme zu produzieren, die vom Kunden gerne und damit oft gesehen werden. Schließlich sind die großen Hollywoodstudios selbst durchweg Aktiengesellschaften und damit ihren Anteilseignern verpflichtet.

Da kann zu viel Realität auch schaden.

Auf der anderen Seite ist das Finanzwesen so komplex, das zu viele Details den gegenteiligen Zweck erfüllen würden.

Welcher Kinobesucher möchte beispielsweise wissen, was denn etwa die bereits erwähnten Credit Default Swaps im Detail sind?

Es ist aber auch so, das gerade in Banken- und Börsenkreisen gerne derartige Finanzinstrumente kreiert werden, die aufgrund ihrer Komplexität dafür sorgen, das nur Insider wissen, um was geht.

Insider, die mit dem Geld anderer Leute umgehen, auch mit Deinem Geld. Als konservativste Form der pro-aktiven Geldanlage zählt noch immer der Kauf und Verkauf von Aktien.

  • Axel sagt:

    Schöne Liste… einige der älteren Filme kannte ich noch gar nicht.

    Welchen Film ich auch recht gut fand ist „Margin Call“.

    Viele Grüße,
    Axel

    • Alexander sagt:

      Hallo Axel,
      vielen Dank. „Der große Crash – Margin Call“ habe ich mir gleich auf die Watchlist gesetzt und werde dann berichten 🙂
      Beste Grüße
      Alexander

  • >