Das Girokonto ist dein zentrales Finanzkonto – hier kommt das Gehalt rein, hier gehen Miete, Strom und Streaming-Abos raus. Wer wechseln möchte, muss deswegen ein paar Dinge im Blick behalten. Die gute Nachricht: Rechtlich ist eine Kündigung unkompliziert. Und mit der richtigen Vorbereitung klappt der Abschluss in wenigen Wochen.
💡Auf einen Blick
- Kunden können ihr Girokonto grundsätzlich fristlos kündigen – eine Begründung ist nicht nötig.
- Banken dürfen per AGB eine Frist von bis zu einem Monat festlegen, nicht mehr.
- Vor der Kündigung: erst neues Konto eröffnen, dann alle Daueraufträge und Lastschriften umstellen, danach kündigen.
- Die Kündigung muss schriftlich erfolgen und bestätigt werden.
- Viele Banken bieten einen Kontowechselservice an, der vieles automatisch erledigt.
Was du vor der Kündigung wissen solltest
Deine Kündigungsfrist
Gesetzlich gilt: Du kannst dein Girokonto jederzeit und ohne Angabe von Gründen kündigen. Kosten entstehen dir dabei keine. Manche Banken haben jedoch in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eine Frist von bis zu einem Monat festgelegt – das ist zulässig. Alles darüber hinaus wäre unwirksam.
Schau also kurz in die AGB deiner aktuellen Bank, bevor du loslegst. In der Praxis wirst du aber die meisten Konten fristlos oder innerhalb weniger Tage kündigen können.
⚠️Auch die Bank kann kündigen
Nicht nur du kannst das Konto auflösen – in manchen Fällen kündigt die Bank. Sie muss dabei eine Frist von mindestens 2 Monaten einhalten, damit du Zeit hast, dein Geld und deinen Zahlungsverkehr zu verlagern. Außerordentliche Kündigungen – also ohne Frist – sind nur in Ausnahmefällen möglich, etwa wenn der Kunde falsche Angaben zu seinen Vermögensverhältnissen gemacht hat.
Was mit dem Restguthaben passiert
Zum Zeitpunkt der Kündigung wird dein Konto auf null gestellt. Vorhandenes Guthaben wird entweder auf ein Konto deiner Wahl überwiesen oder du weist die Bank in der Kündigung an, es selbst zu transferieren. Einen negativen Kontostand musst du vor der Kündigung ausgleichen – ein offener Dispokredit (Dispokredit = kurzfristiger Überziehungsrahmen auf dem Girokonto) blockiert in der Regel die Auflösung.
Was mit der Girocard passiert
Deine EC-Karte (Girocard) musst du nach der Kündigung vernichten oder zerschnitten an die Bank zurückschicken. Das Gleiche gilt für eventuell vorhandene Kreditkarten. Die Bank ist verpflichtet, dir die Kündigung schriftlich zu bestätigen – erst dann ist der Vorgang abgeschlossen.
Girokonto kündigen: Schritt für Schritt
Wer überstürzt kündigt, riskiert, dass Zahlungen ins Leere laufen oder Lastschriften zurückgebucht werden. Die Reihenfolge der folgenden Schritte ist deshalb wichtig.
Schritt 1: Neues Konto eröffnen
Bevor du irgendetwas beim alten Konto änderst, brauchst du ein neues, funktionsfähiges Girokonto. Wer noch kein passendes hat, findet in unserem Konto eröffnen-Ratgeber alle nötigen Informationen. Viele Direktbanken und Neobanken – also rein digitale Anbieter ohne Filialnetz – ermöglichen die Kontoeröffnung vollständig online, oft innerhalb weniger Minuten per Video-Ident.
Schritt 2: Alle Zahlungen im Überblick behalten
Schau dir die letzten 3 Monate deiner Kontoauszüge an und notiere alle regelmäßigen Ein- und Ausgaben. Typische Posten, die umgestellt werden müssen:
- Gehalts- oder Rentenzahlungen vom Arbeitgeber oder der Rentenkasse
- Miete per Dauerauftrag
- Strom, Gas, Internet und Telefon per Lastschrift
- Versicherungsbeiträge
- Streaming-Dienste, Mitgliedschaften, Abonnements
- Ratenzahlungsverträge
- Rundfunkbeitrag
Zahlungsdaten in Online-Shops (Amazon, PayPal, etc.) musst du meist selbst aktualisieren, da diese nicht automatisch übertragen werden.
Schritt 3: Daueraufträge und Lastschriften umstellen
Informiere alle relevanten Stellen über deine neue IBAN. Daueraufträge richtest du beim neuen Konto einfach neu ein. Für Lastschriftmandate genügt es in der Regel, dem Gläubiger die neue Kontonummer mitzuteilen – das Mandat bleibt dann gültig.
Gib dir mindestens 4 bis 6 Wochen Zeit für diese Phase. Führe beide Konten parallel, bis du sicher bist, dass alle Zahlungen korrekt umgestellt sind.
💡Der Kontowechselservice spart viel Arbeit
Seit 2016 sind alle Banken gesetzlich verpflichtet, einen Kontowechselservice anzubieten. Dabei erstellt deine neue Bank eine Liste aller regelmäßigen Kontobewegungen der vergangenen 13 Monate und informiert deine alten Zahlungspartner automatisch über die neue Bankverbindung. Das spart erheblich Zeit und Aufwand – nutze diesen Service, wenn du nicht jeden Gläubiger einzeln anschreiben möchtest.
Schritt 4: Guthaben sichern
Sobald alle Zahlungen laufen, kannst du das Restguthaben selbst auf dein neues Konto überweisen. Alternativ kannst du die alte Bank direkt in der Kündigung anweisen, das verbleibende Guthaben zu transferieren.
Schritt 5: Schriftlich kündigen
Jetzt erst kommt die eigentliche Kündigung. Das Kündigungsschreiben muss folgende Informationen enthalten:
- Vor- und Nachname
- Vollständige Wohnanschrift
- IBAN des zu kündigenden Kontos
- Klar formuliertes Kündigungsbegehren (z.B. „Ich kündige hiermit meinen Girokontovertrag…”)
- Gewünschter Kündigungszeitpunkt (oder „zum nächstmöglichen Zeitpunkt”)
- Ort, Datum und Unterschrift
Einen Grund musst du nicht nennen.
Schritt 6: Bestätigung abwarten
Die Bank ist verpflichtet, die Kündigung schriftlich zu bestätigen. Erst mit dieser Bestätigung ist der Vorgang rechtssicher abgeschlossen. Kommt keine Antwort, hake nach.
Wie kannst du die Kündigung einreichen?
Mehrere Wege sind möglich – nicht alle sind gleich gut.
Per Einschreiben mit Rückschein: Die sicherste Methode. Du hast den Nachweis, dass das Schreiben angekommen ist.
Per E-Mail: Bei vielen Direktbanken mittlerweile zulässig. Schreibe von der bei der Bank hinterlegten E-Mail-Adresse und füge das unterschriebene Kündigungsschreiben als PDF-Datei an. Fordere eine Lesebestätigung an.
Per Online-Formular: Viele Direktbanken bieten auf ihrer Website ein eigenes Kündigungsformular an. Wenn das möglich ist, ist es der bequemste Weg.
Persönlich in der Filiale: Bei Filialbanken oft möglich. Lass dir auch hier die Kündigung schriftlich bestätigen.
Per Telefon: Nicht ratsam. Ohne schriftlichen Nachweis hast du im Streitfall keine Handhabe.
Was passiert mit der Kreditkarte?
Wer zusätzlich zum Girokonto eine Kreditkarte der gleichen Bank hat, muss diese separat kündigen – oder die Kündigung beider Produkte im selben Schreiben zusammenfassen. Bei manchen Banken ist die Kreditkarte direkt ans Girokonto geknüpft und wird automatisch mitgekündigt; das solltest du vorher klären.
Die Kündigung einer Kreditkarte ist seit 2009 jederzeit zum Ende eines Monats möglich. Wenn eine Jahresgebühr bereits bezahlt wurde, hast du nach § 675h BGB Anspruch auf anteilige Erstattung des noch nicht genutzten Zeitraums.
Was passiert mit weiteren Bankprodukten?
Tagesgeldkonto: Sichteinlagen sind täglich verfügbar und in der Regel fristlos kündbar – kein Problem.
Sparbuch: Hier gilt üblicherweise eine gesetzliche Kündigungsfrist von 3 Monaten. Willst du früher an dein Geld, benötigst du eine gesonderte Vereinbarung mit der Bank.
Festgeld: Festgeldkonten sind nur zum vereinbarten Laufzeitende kündbar. Eine vorzeitige Auflösung ist zwar manchmal möglich, kostet aber in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung in Form von Zinsabzügen. Unsere Empfehlung: Warte die reguläre Laufzeit ab.
Kann die Bank einfach Geld einzahlen oder Geld abheben blockieren?
Nein. Bis zum Wirksamwerden der Kündigung läuft das Konto normal weiter. Du kannst Geld einzahlen und abheben wie gewohnt, solange das Konto noch aktiv ist. Die Bank darf keine einseitigen Einschränkungen vornehmen, solange kein außerordentlicher Kündigungsgrund vorliegt.
Checkliste: Konto kündigen ohne Stress
- [ ] Neues Girokonto eröffnet und vollständig eingerichtet
- [ ] Letzte 3 Monate Kontoauszüge auf Daueraufträge und Lastschriften geprüft
- [ ] Arbeitgeber / Rentenkasse über neue IBAN informiert
- [ ] Daueraufträge beim neuen Konto neu eingerichtet
- [ ] Lastschriftmandate an Gläubiger gemeldet (oder Kontowechselservice genutzt)
- [ ] Zahlungsdaten bei Online-Shops aktualisiert
- [ ] Dispo ausgeglichen
- [ ] Restguthaben überwiesen oder Übertragung in der Kündigung beantragt
- [ ] Kündigung schriftlich eingereicht (Einschreiben oder per Online-Formular)
- [ ] Bestätigung der Bank abgewartet
- [ ] Girocard und ggf. Kreditkarte vernichtet oder zurückgegeben
Häufige Fragen zum Girokonto kündigen
Muss ich einen Grund für die Kündigung angeben?
Nein. Du kannst jederzeit und ohne Begründung kündigen. Die Bank darf dich dazu nicht zwingen.
Wie lange dauert die Kündigung?
In der Regel geht es schnell. Viele Konten lassen sich fristlos oder innerhalb weniger Tage auflösen. Manche Banken haben per AGB eine Frist von bis zu einem Monat festgelegt. Der eigentliche Aufwand liegt aber in der Vorbereitung: Daueraufträge umstellen, Gläubiger informieren, Guthaben transferieren – das solltest du mindestens 4 bis 6 Wochen einplanen.
Ist die Kündigung kostenlos?
Ja. Die Kündigung selbst kostet nichts. Auch die Bestätigung durch die Bank ist gebührenfrei. Kosten können allenfalls entstehen, wenn ein Drittanbieter für die Kündigung beauftragt wird.
Was, wenn ich noch einen offenen Dispo habe?
Solange ein negativer Kontostand besteht, wirst du das Konto in der Regel nicht auflösen können. Gleiche den Fehlbetrag zuerst aus.
Kann ich online kündigen?
Viele Direktbanken bieten Online-Formulare an. Schau auf der Website deiner Bank nach. Wenn kein Online-Formular vorhanden ist, geht Einschreiben oder E-Mail mit PDF-Anhang.
Was ist, wenn die Bank keine Bestätigung schickt?
Dann solltest du nachhaken – schriftlich und mit Fristsetzung. Die Bank ist dazu verpflichtet.
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